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Outdoor

Big River Man | Amazonas-Bezwinger Martin Strel schwimmt 53 Stunden am Stück

Der Weltrekordler aus Slowenien nahm es bereits mit dem Mississippi, Jangtse und Amazonas auf

Der härteste Schwimmer, von dem du wahrscheinlich noch wie etwas gehört hast, ist wohl Martin Strel. Dieses 62-jährige Kraftpaket ist dem Tod schon ein paar mal knapp entgangen. Er hält mehrere Weltrekorde beim Distanzschwimmen im Danube (3.003 km), Mississippi (3.798 km), Yangtzes (4.002,5 km) und Amazonas (5.265,8 km). „Ich bin nicht Michael Jordan oder Michael Phelps, aber ich bin glücklich“, sagt er, bevor er seine nächste Ultrachallenge antritt.

“Ich schwimme für Frieden, Freundschaft und sauberes Wasser.”

Der sympathische Athlet trinkt regelmäßig Alkohol, hat den Körper eines Mini-Sumoringers und manche sagen, er sei einfach nur ein lockerer Typ. Seine treibende Kraft ist klar – die Weltmeere zu schützen. „Ich schwimme für Frieden, Freundschaft und sauberes Wasser“, sagt Strel. Tatsächlich schließt er Freundschaften auf hoher Ebene. „Ich bin ein kleiner Politiker, ein Diplomat“, erzählt er mir.

Er hat schon mit den einflussreichsten Leuten der Welt diskutiert, mit den Trumps vor der Präsidentschaft gegessen und ist sogar schon mit dem Premierminister von Rumänien geschwommen. Er hofft, dass seine Marathon-Schwimmtouren Aufmerksamkeit gegen die Verschmutzung der Ozeane erlangen.

„Ich war sechs Jahre alt, als ich im Wasser die ersten Techniken lernte“, erinnert sich Strel, der sich das Schwimmen selbst beigebracht hat. „Das Wasser war schon immer ein Teil von mir. Zwischen Mai und Oktober verbrachte ich früher fast jeden Tag am Fluss, um Fisch zu fangen. Ein guter Schwimmer war ich schon immer, auch wenn ich es nicht wusste. Auch für zwei Minuten unter Wasser zu bleiben, war für mich nichts Besonderes.“

Im Alter von 16 Jahren zog er in die slowenische Hauptstadt Ljubljana, um neue Dinge zu erleben, doch es sollte noch ein langer Weg vor ihm liegen, bis er in den mächtigsten Flüssen der Welt schwimmen würde. Er schrieb das Buch „The Man Who Swam the Amazon“ und ihm wurde der Film „Big River Man“ gewidmet. Außerdem gründete er die Firma Wild Swimming Holiday Company, mit der er Kunden zu den schönsten Schwimmspots bringt. Mit dabei sind auch Orte in seiner Heimat, die für seine schönen Flüsse und Seen bekannt ist. „Wir haben grüne Wälder, Flüsse, Wasserfälle, Berge und große Seen“, erzählt Strel über Slowenien.

„Spezialisten glaubten, dass Strels Köper weniger Laktat freisetzt als normal und deswegen beim Schwimmen nicht müde wird. Strel nimmt es gelassen.“

Spezialisten glaubten, dass Strels Körper weniger Laktat freisetzt als normal und er deswegen beim Schwimmen nicht müde wird. Strel nimmt es gelassen. Er glaubt, dass ein Schlüssel zum Erfolg sein Bauch aus Stahl ist. „Ich bin selten krank“, sagt er – seine Touren im Yangtze und Amazonas waren Ausnahmen, als er derart verschmutztes Wasser durchschwamm, dass er krank wurde, doch die Strecken trotzdem vollendete. Strel sagt, dass Schnaps trinken während des Schwimmens helfe. „Es ist gut etwas zu trinken, vor allem an den ersten zwei oder drei Tagen“, rät er uns, falls wir mal den Drang nach einer solchen Herausforderung verspüren sollten: „Ich spüle mir vor jedem Essen meinen Mund damit aus. Trinke nicht viel, sonst bist du betrunken, aber ein bisschen hilft, um nicht krank zu werden.“

“Die längste Zeit, die ich am Stück in Salzwasser geschwommen bin, waren 53 Stunden und 50 Minuten. Mein Mund und meine Augen kämpften mit dem Salz, es brannte extrem.”

Wie bereitet er sich sonst noch auf seine Höchstleistungen vor? „Ich mache nichts Besonderes„, erzählt er. Während Leute in seine Alter keinen Sport mehr machen, geht er jeden Tag schwimmen, ins Fitnesstudio und zum Ausdauerlauf: „Ich fühle mich wie mit 25!“

Bei Strecken auf dem offenen Ozean kommen Wellengang und Stürme erschwerend hinzu, währenddessen reizt das Salz Augen und Haut. “Die längste Zeit, die ich am Stück in Salzwasser geschwommen bin, waren 53 Stunden und 50 Minuten. Mein Mund und meine Augen kämpften mit dem Salz, es brannte extrem.”

Bedrohnende Wasserbewohner sind dort ebenfalls ein Faktor: „Ich pflege eine gute Beziehung zu Tieren, doch um mit den verschiedenen Spezies immer richtig umgehen zu können, muss man fast ein Wissenschaftler sein“, sagt er. Lebensbedrohliche Situationen sind etwas, mit dem er dabei schon immer umgehen musste, doch sie schüchtern Strel nicht ein. „Es ist letztlich nur ein großes Tier“, sagt er lapidar, als er sich an seine Begegnung mit einem weißen Hai in Südafrika erinnert: „Vor allem das Maul sieht gefährlich aus, doch ich habe keine Angst davor, mich mit Haien im gleichen Element zu bewegen.“ Während er im Amazonas schwamm, traf er auf Zitteraale, Krokodile, Schlangen und den Penisfisch.

Martin litt schon an einer Infektion, verurascht durch Larven, vielen extremen Sonnenbränden, Dehydration und Halluzinationen. Die meisten Sorgen machte er sich jedoch beim Unfall seines Sohnes. „Der Stachelrochen – das ist ein verrücktes Tier“, erinnert er sich. „Mein Sohn Borut wurde von einem gestochen. Er war innerhalb von sechs Sekunden gelähmt, lag im Sterben. Steve Irwin kam mir sofort in den Kopf. Es gab keine Zeit, den Helikopter oder ein Speedboot zu rufen. Das war der schrecklichste Moment, den ich je beim Schwimmen hatte.“ Borut hat es überlebt und begleitet weiterhin seinen Vater an die entlegensten Orte der Welt.

Seine Motivation, immer mehr zu schaffen, treibt ihn an. Er war Gitarrenlehrer und war einmal ein professioneller Pokerspieler – doch wie eine Stimme in seinem Film erklärt, ist es nur das Schwimmen, bei dem er um sein Leben zockt.

„Martin litt schon an einer Infektion verurascht durch Larven, vielen extremen Sonnenbränden, Dehydration und Halluzinationen.“

„Es ist kein Pokerspiel“, gibt Strel zu. „Ein Fehler und ich kann sterben. Der physische Anspruch ist hart. Ich muss jeden Tag voll und ganz bei der Sache sein.

Finde mehr über Martin Strel unter strel-swimming.com heraus.

Text: Jade Bremner | Fotos: Strel Swimming

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