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Climbing Basics | Technik-Tipps für die verschiedenen Klettergriffe

Das richtige Greifen an der Kletterwand will gelernt sein

Von Lindsay Walsh

Griffe an Kletterwänden gibt es den verrücktesten Ausführungen. Besonders wenn man gerade erst mit dem Klettern angefangen hat, kann die Vielfalt schnell zu Überforderung bei schwindender Kraft in der Route führen.

Jede verschiedene Art von Griff erfordert eine andere Herangehensweise. Wenn man also weiß, wie man die unterschiedlichen Formen am besten handhaben muss, lassen sich Routen einfacher und deutlich kraftsparender bezwingen. Hier kannst du sich mit dem nötige Wissen versorgen.

Falls du die einzelnen Griffarten verinnerlicht hast, kannst du dir sogar in der Wohnung deine eigene Trainingsecke anlegen und außerhalb der Halle deine Fähigkeiten weiterentwickeln.

Es gibt viele unterschiedliche Griffe in verschiedenen Größen. – Foto: iStock/Getty Images

Das Material der Klettergriffe

Früher waren die Klettergriffe aus Stein, Baumharz oder sogar Holz. Da diese Griffe aber mit sehr viel Aufwand in der Herstellung verbunden waren und zu schnell kaputtgingen, wurde nach Alternativen gesucht. Polyurethan ist nicht nur das Material, aus dem beispielsweise Skateboardrollen und Co. hergestellt werden, sondern auch weitgehend alle Klettergriffe. Dieses Material eignet sich, da es relativ problemlos in sämtliche Formen gebracht werden kann. Derzeit werden Griffe mit einer Basis aus Soja und Mais entwickelt, um eine umweltfreundliche Produktion zu fördern.

Normalerweise sind diese Griffe von der Struktur ähnlich der Oberfläche von Gestein konzipiert, um auch in der Halle das Gefühl der Felswand zu imitieren. Trotzdem gibt es auch gewisse Griffe, die man am Fels nicht finden wird. Wie am echten Fels nutzen sich die Griffe auch in der Halle ab und werden mit der Zeit rutschig.

Positivity

Klettergriffe werden im Allgemeinen nach ihrer „Positivity“ bewertet. Die Positivity dient als Indikator dafür, ob ein Griff leicht zu handhaben ist oder nicht. Beispielsweise hätte ein Griff, der eine gut ausgeprägte Kante bietet, die es einem enorm erleichtert, ihn zu greifen, eine höhere Positivity als ein Griff, der keinerlei Kanten hat. Derartig schwierigere Griffe machen eine Route ungemein schwieriger, weil man sein Körpergewicht an einer meist schmalen Kante halten muss und somit bessere Balance, Griffkraft und Kraftausdauer benötigt als bei einfacheren Griffen.

Griffe mit einer hohen Positivity haben eine komfortable Kante, an der man sich halten kann. Foto: iStock/Getty Images

Jugs

Jug climbing holds – Foto: pixabay.com

Jugs sind im Normalfall die Griffe, die in Sachen Positivity die Nase vorne haben. Sie sind im Grunde so einfach zu greifen, dass man mit ihnen selbst blind noch das Ziel erreichen würde. Sie haben meist ein Loch, in das man mit mindestens einer, wenn nicht sogar zwei Händen gleichzeitig greifen kann. Dadurch, dass die Jugs so einfach zu handhaben sind, werden auch am Fels sehr gute Griffe nach ihnen benannt – egal, wie sie geformt sind.

Wie du sie greifst:

Greife einfach in die Öffnung und zieh dich nach oben. Jugs sind extrem einfach in der Handhabung und werden oft als eine Art Rastplatz während der Route genutzt, um dort den freien Arm auszuschütteln und die nächsten Züge zu planen.

Incuts/Mini Jugs

Incut Klettergriffe – Foto: atomikclimbingholds.com

Dieser Griff ist dem Jug ziemlich ähnlich und unterscheidet sich höchstens in der Größe. Das heißt, dass du sie meist nur mit einer Hand greifen kannst und es somit ein wenig schwieriger ist, an ihnen zu klettern.

Wie du sie nutzt:

Für eine möglichst kraftsparende Handhabung solltest du die Kante so tief wie möglich greifen und dich nach oben ziehen. Sie sind zwar ein wenig anspruchsvoller als Jugs, aber immer noch als einfach einzustufen. Versuche die Griffe immer mit ausgestrecktem Arm zu greifen, um Kraft zu sparen.

Crimps

Crimp Klettergriffe – Foto: threeballclimbing.com

Crimps sind im Vergleich zu den bisherigen Griffen etwas anspruchsvoller. Sie sind meist klein und ungleichmäßig geformt, weswegen sie oft als Stütze für die Füße verwendet werden. Um sie zu meistern, braucht man eine ausgeprägte Technik und zudem Kraft, denn sie bieten nur kleine Kanten und wenig Griffmöglichkeiten. Sie sind häufig die Klettergriffe in einer Route, bei denen sich die Spreu vom Weizen trennt.

Wie du sie nutzt:

Crimps sind in der Regel für mehr als eine Hand zu klein. Ihre Größe und nur minimalistische Kante bedeuten, dass du viel Kraft auf einer kleinen Ablagefläche aufbringen musst. Daher ist ein geschlossener Griff sinnvoller, als eine eingehakte offene Hand.

Versuche die Kante soweit es geht zu umschließen, lege deinen Daumen seitlich am Griff ab und greife fest zu. Damit sollte dein Griff fest genug sein. Diese Technik wird auch Crimping genannt und kann anstrengend sein, deshalb solltest du dich bei Gelegenheit ausruhen (z.B. an einem Jug). Die Kraft kommt mit der Zeit, von daher arbeite an deiner Grifftechnik, um langfristig das beste Ergebnis zu erzielen.

Slopers

Sloper Klettergriffe – Foto: bouldering.lv

An einem Sloper scheitern die meisten Anfänger beim ersten Versuch. Ungleich aller anderen Klettergriffe haben Sloper eine runde Form ohne geeignete Kanten zum Greifen. Um das zu kompensieren, haben Sloper eine vergleichsweise raue Oberfläche, um einen besseren Grip zu gewährleisten und “auf Reibung” greifen zu können. Sie sind normalerweise etwas größer als andere Klettergriffe und sind eher in Routen für erfahrenere Sportler zu finden – es gibt sogar Routen, die ausschließlich aus Slopern bestehen.

Wie du sie greifst:

Aufgrund der fehlenden Kanten kannst du dich hierbei nicht nur auf deine Greifkraft verlassen. Das Halten läuft weitestgehend über die Reibung zwischen Handfläche und Griff. Dementsprechend ist es ratsam, so viel Oberfläche wie nur möglich mit deiner Hand abzudecken, um möglichst viel Grip zu erreichen.

Der Grip wird zu Beginn schwächer wirken als bei anderen Griffen. Doch die Reibung reicht aus, um dich zum nächsten und meist besseren Griff zu bringen. Wichtig hierbei ist, eine ausgewogene Balance zu halten. Schon kleine Abweichungen der perfekten Körperhaltung können einen Nachteil bedeuten.

Man kann sich auch mit der Hand von einem Sloper nach oben drücken. Ähnlich als würde man das Schwimmbad über den Beckenrand verlassen wollen. Hierbei legst du die Handfläche oben auf den Griff und drückst dich nach oben, um den nächsten Griff zu erreichen. Diese besonderen Griffe verbessern dein Game um ein Vielfaches. Gib ihnen eine Chance, bevor sie dich zur Verzweiflung treiben!

Pockets

Pocket Klettergriffe – Foto: shopnicros.com

Pockets sind Klettergriffe, die ein Loch in der Mitte haben und meist keine geeigneten Kanten besitzen. Sie sind in der Regel recht klein und eignen sich ideal, um deine Fingerkraft zu trainieren.

Wie du sie greifst:

Fingerkraft ist der entscheidende Punkt, wenn es um Pockets geht. Versuche so viele Finger wie möglich in das mittlere Loch zu bekommen, ohne dass es unkomfortabel wird. Ziehe dich dann nach oben, um an den nächsten Griff zu gelangen. Tipp: Lieber die mittleren beiden Finger der Hand nutzen als Zeige- und Mittelfinger – zusätzlich beugt diese Technik Verletzungen vor.

Pockets kommen in ein, zwei oder drei Fingergrößen. Die Größe für einen Finger ist logischerweise die anspruchsvollste und sollte immer mit dem kräftigsten deiner Finger (Mittelfinger) angegriffen werden. Für zwei Finger benutze den Mittel- und Ringfinger. Für drei Finger nimmst du die mittleren drei, also Zeige-, Mittel- und Ringfinger und benutzt den Daumen und kleinen Finger für zusätzliche Stabilität um das Loch herum.

Wenn du Probleme mit diesen Griffen haben solltest, kannst du an die Übungswand gehen, um dort deine Griffkraft stetig zu trainieren.

Edges

Edges Klettergriffe – Foto: Pixabay.com

Edges sind die häufigsten Griffarten am echten Fels. Es sind Kanten, die ein wenig runder und kürzer sind als Jugs. Meist kannst du mehrere Finger nutzen, Edges sind aber auch gut für deine Tritte.

Wie du sie greifst:

Edges sind einfach in ihrer Handhabung. Greife sie mit so vielen Fingern wie nur möglich und ziehe dich dann hoch. Mit gestrecktem Arm zu klettern beugt immer Erschöpfung vor! Du kannst auch mit einem geschlossenem Griff klettern, womit du mehr Griffkraft hast, aber auch ein wenig mehr Anstrengung benötigt wird.

Pinches

Pinch Klettergriffe benötigen viel Fingerkraft – Foto: Flickr.com

Pinches sind Griffe mit zwei sich gegenüberliegenden Kanten. Diese Klettergriffe werden im Normalfall vertikal befestigt, sodass die Kante von oben nach unten verläuft. Deshalb musst du deinen Daumen auf der einen und die restlichen Finger der Hand auf der anderen Seite ansetzen, um idealen Grip zu erlangen.

Wie du sie greifst:

Du greifst den Pinch wie oben beschrieben wie eine Krabbe und „zwickst“ dich im Zangengriff fest. Manche Griffe sind asymmetrisch geformt und erfordern somit einen gewissen Grad an Kreativität, aber sind im allgemeinen mit der gleichen Technik zu nutzen.

Pinches fordern unglaublich viel Kraft und fühlen sich meist bei den ersten Versuchen sehr merkwürdig an. Versuche mit großen Pinches anzufangen und arbeite dich dann langsam in Richtung Mini-Pinches. Je kleiner der Griff, desto größer die benötigte Kraft.

Griffkraft ist hier wieder der entscheidende Faktor. Ein Faktor, den du problemlos trainieren kannst. Das machst du beispielsweise, wenn du schwere Alltagsgegenstände entsprechend greifst, sie quasi nur mit den Fingern trägst. Dieses kleine “Alltagstraining” bewirkt Wunder.

Volumes

Volumen – Photo: bostonrockgym.coF

Es gibt wohl keine Klettergriffe, die größer sind als diese Kollegen hier. Volumes sind eine meist geometrische Fläche mit vielen Gewinden, um andere Griffarten darauf zu befestigen.

Sie sind oft in Pyramidenform gegossen oder ähneln einem Halbkreis. Man kann sogar auf an Ketten hängende Volumes treffen, die frei herumschwingen, während man an ihnen klettert (Contests). Manche der anspruchsvollsten Routen sind solche, die fast ausschließlich aus diesen Strukturen bestehen und weit und breit keine klassischen Griffe zu sehen sind.

Wie du sie greifst:

Die Benutzung der Volumes ist abhängig von der Form und den Griffen, wenn überhaupt welche vorhanden sind. Falls keine Griffe zur Verfügung stehen, musst du nach geeigneten Kanten suchen und diese für dich nutzen.

Wenn es sich um runde Volumes handelt, dann gehst du sie ähnlich wie einen Sloper an und versuchst so viel Reibung wie nur möglich zwischen Hand und Struktur zu erzeugen.

Ansonsten kannst du dich auch mit deinen Füßen oder Händen an ihnen abstützen, um nach etwas Kantigem zu greifen.

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