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Climbing Basics | Zehn Tipps für Anfänger an der Kletterwand

Nützliche Hinweise für dein ersten Versuche in der Vertikalen

Von Lindsay Walsh
Klettern kann am Anfang ziemlich respekteinflößend sein. Man muss die Ausrüstung verstehen, bisher völlig ungeahnte Höhen erklimmen, einen merkwürdigen Slang verstehen lernen und sich an die mehr oder weniger präsente Gewissheit gewöhnen, dass Fehler oder Unachtsamkeiten im schlimmsten Fall auch lebensgefährlich enden können. Wenn man dann all das zusammen betrachtet, ist die Nervosität der Leute, die das erstmals klettern wollen, durchaus nachvollziehbar.

Glücklicherweise ist in der Regel immer eine freundliche Seele anwesend, die dem Anfänger wichtige Lektionen erteilt. Auch wenn Kletterer manchmal wie Eigenbrötler wirken mögen, so sind sie doch äußerst gesellig und geben durchwegs nützliche Tipps gerne weiter – wie zum Beispiel, wenn man in 10 Metern Höhe bemerkt, dass der Sicherheitsgurt nicht richtig sitzt.

Ein paar hilfreiche Tipps sorgen für maximalen Spaßfaktor in der Wand | Foto: iStock/Getty Images

Damit man frühzeitig Problemen vorbeugen kann, haben auch wir unsere Top zehn Tipps für Anfänger zusammengestellt. Los geht’s!

1) Benutze deine Füße

Seine Füße richtig einzusetzen, kann beim Klettern einen großen Unterschied machen | Foto: iStock/Getty Images

Die meisten Leute beachten zu Beginn hauptsächlich, was sich unmittelbar vor ihrer Nase abspielt. Sie strecken dem Arm zum nächsten Griff aus und “schleifen” fast schon die Füße hinter sich her in die Höhe. Kraft aus den Armen ist natürlich nicht unwichtig, aber erfahrene Kletterer nutzen alles, was ihnen zur Verfügung steht, um an die Spitze der Route zu kommen.

Es mag zwar offensichtlich klingen, aber der Einsatz des gesamten Körpers gestaltet die Sache ein gutes Stück einfacher. Sich Gedanken darüber zu machen, wie man denn nun am besten die Füße positioniert, kann den Unterschied ausmachen, ob die Klettertechnik zum nächsten Griff führt oder zum Fall ins Seil. In der Regel sollte aber insbesondere eine gute Positionierung der Füße zu erheblicher Entlastung der Arme führen und deine erste Route ist easy gemeistert.

2) Das richtige Fallen zu lernen, stärkt dein Selbstbewusstsein

Das richtige Fallen zu lernen, wird dein Selbstbewusstsein stärken | Foto: iStock/Getty Images

Das Fallen löst wohl die größte Angst bei Anfängern aus. Die Vorstellung allein reicht meist schon aus, dass sich Neulinge an jeden Griff klammern, als würde ihr Leben davon abhängen. Verständlicherweise ist Griffkraft nützlich, aber es ist ebenso wichtig, sich mental auf seine Ausrüstung verlassen zu können. Und das bedeutet, dass man früher oder später einmal fallen muss, um zu wissen, wie es funktioniert.

Der erste Fall stellt fast schon eine erlösende Erfahrung dar: Er zeigt dir, dass deine Ausrüstung seinen Zweck erfüllt und nimmt dir oft umgehend die größte Angst vor der Tiefe. Du kannst sogar das Fallen üben, wenn du die richtige Technik einsetzt und bekommst dein Adrenalin während des Falls langsam in den Griff. Aber Achtung: Suchtgefahr!

3) Gib nicht auf

An einer harten Kletterroute zu kämpfen und sie final zu schaffen, fühlt sich großartig an | Foto iStock/Getty Images

Nicht jede Route wird auf Anhieb klappen, aber das sollte dich nicht entmutigen – es ist Teil der Herausforderung und letztlich des Spaßfaktors dabei. Es ist das, was die Leute an dem Sport fesselt und immer wiederkommen lässt. An deine Grenzen zu gehen, gehört zum Reiz dazu und es ist völlig normal, wenn man nicht bei jeder Route direkt die Spitze erreicht. Genau genommen haben die meisten Kletterer immer mindestens ein oder zwei Projekte offen, an denen sie ständig arbeiten oder sich vergeblich die Zähne ausbeißen.

Es gibt eine Menge Routen, die einfach viel Zeit in Anspruch nehmen. Auf dem Weg zum Top lernst du nach und nach effizientere Bewegungen, Tricks und irgendwann sogar diesen einen “unmöglichen Griff”, der bei ersten Versuchen in der Route vollkommen außer Reichweite erschien. Es fühlt sich immer gut an, am letzten Griff anzukommen, aber sogar noch mehr, wenn es das Ende einer Route bedeutet, an der du viele Male zuvor gescheitert bist.

4) Suche nach einem Kletterpartner, dem du vertraust

Ein guter Kletterpartner wird deinem Können in der Wand einen Schub verleihen | Foto: iStock/Getty Images

Gute Ausrüstung ist nur so gut wie die Person, die sie benutzt. Und das ist besonders zutreffend, wenn es um die Sicherung beim Klettern geht.

Wenn du das erste Mal kletterst und am Seil in einer Fels- oder Kletterwand baumelst, dann musst du dir sicher sein, dass die Person am anderen Ende alles im Griff hat. Ein guter Sicherungspartner wird nicht von seinem Handy abgelenkt sein, während du kletterst, sondern stets dafür sorgen, dass du so sicher wie nur möglich unterwegs bist.

Wenn die Sicherungsperson in etwa deinem Gewicht entspricht, dann ist das optimal. Solltest du dich zwischen einem Berg von Mann, der aber keine Ahnung hat und einer kleinen Person entscheiden müssen, die sehr aufmerksam ist, dann wähle die schmächtigere Person.

5) Höre auf erfahrene Leute

Nimm Ratschläge von erfahrenen Kletterern an | Foto: iStock/Getty Images

Mit dem Klettern kann man relativ einfach beginnen. Man braucht nur geeignete Ausrüstung, Grundzüge der Technik und mit der nötigen Courage kommt wohl jeder seine erste Wand hoch. Doch dieser einfache Zugang hat nicht nur seine guten Seiten. Es bedeutet auch, dass sich Anfänger die Techniken der Leute um sich herum aneignen. Und obwohl das meistens gar nicht so schlecht ist, kann es gelegentlich zu schlechten Angewohnheiten führen und ziemlich in die Hose gehen.

Es schadet nie, Rat von einem Erfahrenen einzubeziehen. Besonders wenn dein Leben im Extremfall von diesem Wissen abhängen kann. Die meisten Kletterhallen und Outdoor-Zentren geben zu Beginn einen Basiskurs für die Sicherungsausrüstung und zeigen, wie man sich anständig absichert und schließlich wieder abseilt. Es mag zwar viel auf einmal sein, doch es lohnt sich definitiv, diese Basics zu verinnerlichen.

6) Sprich mit deinem Kletterpartner

Foto: iStock/Getty Images

Wenn du mit einer Sicherungsperson kletterst, dann achte darauf, dass du konstant mit ihm im Gespräch bleibst.

Obwohl du dich wahrscheinlich mehr auf die Griffe konzentrieren wirst, stärkt das Reden mit deinem Partner dein Selbstbewusstsein und lässt dich sicherer fühlen. Rufe von oben, ob du mehr oder weniger Seil brauchst, um gewisse Bewegungen machen zu können oder dich abzusichern. Wenn du das Gefühl haben solltest, dass du gleich fallen wirst, kündige es an, damit sie den Fall frühzeitig abschwächen können. Und wann immer du den Überblick bei den Griffen verlieren solltest, kann dein Partner dir von unten immer wertvolle Tipps geben.

Mit der anderen Person zu reden, lässt sie auch aufmerksamer bleiben. Denn während der Interaktion wird dem Partner am Boden Sicherheit wohl wichtiger sein als spontane Selfies. Und du wirst überrascht sein, wie oft ein Rat oder allein schon die Anteilnahme einer zweiten Person dir die nötige Motivation für die letzten Meter geben kann.

7) Strecke deine Arme durch

Gestreckte Arme steigern deine Kraftausdauer | Foto iStock/Getty Images

Anfängern mag dieser Tipp wohl etwas komisch vorkommen, aber er hilft dir ungemein dabei, Routen an deinem persönlichen Limit zu schaffen.

Anfänger neigen dazu, ständig ihre Arme zu beugen und verschwenden somit Energie, weil sie dadurch immer ihre Muskeln anspannen. Wenn du erfahrene Kletterer beobachtest, wirst du feststellen, dass sie ihre Arme häufig ausgestreckt hängen lassen, während sie den nächsten Schritt überdenken. Dieser ruhigere Kletterstil hilft dir dabei, länger mit deiner Kraft haushalten zu können.

8) Investiere in anständige Ausrüstung – besonders in Kletterschuhe

Gute Kletterschuhe sollten deine erste Investition sein | Foto: iStock/Getty Images

Wir wissen, wie es ist, jeden Cent doppelt umzudrehen, aber wenn es um Kletterausrüstung geht, solltest du nicht am falschen Ende sparen. Dein Leben wird buchstäblich an der Ausrüstung hängen, also kaufe nichts, was nicht hundertprozentig vertrauenswürdig wirkt.

Das bedeutet nicht, dass du die teuersten Modelle kaufen musst, aber es soll heißen, dass du die nötige Recherche betreibst, bevor du dir das gebrauchte Seil über Ebay ersteigerst. Wenn du dir Geld online sparen willst, dann lass dich bezüglich der Ausrüstung in einem Laden beraten, damit du dir hundertprozentig sicher sein kannst. Eigentlich ist die Ausrüstung ziemlich selbsterklärend, aber die verwendeten Materialien können einen großen Unterschied machen.

Climbing Guide | Worauf man beim Kauf von Kletterschuhen achten sollte

Der wohl wichtigste Part deiner Ausrüstung werden deine Schuhe sein. Viele Kletterhallen verleihen Schuhe, aber seine eigenen zu besitzen, die perfekt auf den Träger abgestimmt sind, macht einen enormen Unterschied aus. Du wirst als Anfänger eine lange Zeit in diesen Schuhen verbringen, also entscheide dich für möglichst komfortable Modelle.

9) Lass dir Zeit

Bringe deinen Puls runter; es wird helfen, deinen Kletterstil zu verbessern | Foto: iStock/Getty Images

Klettern ist ein ziemlich aufregender Sport und es ist einfach, sich im Rausch des Moments zu verlieren; besonders wenn man nervös dabei ist, eine Route im Sturm zu erklimmen, ohne davor eine optimale Herangehensweise ausgeheckt zu haben.

Gute Kletterer nehmen sich Zeit und analysieren bereits vorher die Route. Sie suchen mögliche schwierige Stellen und versuchen schon am Boden, sich Lösungen zurechtzulegen. Viele Routen in der Natur sind in Guides verzeichnet und auch innerhalb der Community gibt es regen Austausch über verschiedenste Routen, um sich schon vorab informieren zu können.

Ein Plan für die Route kann darüber entscheiden, ob man sie geschmeidig meistert oder auf halben Wege unter Energiemangel abschmiert. Ein paar Minuten mehr am Boden können auch genutzt werden, um noch einmal sämtliche Sicherheitsausrüstung durchzugehen.

10) Guter Rat zahl sich stets aus

Sei nicht zu stolz, gute Ratschläge anzunehmen | Foto: iStock/Getty Images

Wie in jedem Sport macht sich auch im Klettern das gute alte Ego hier und dort bemerkbar. Eine anspruchsvolle Route zu meistern, gibt dir ein berauschendes Gefühl und eine schöne Dosis Selbstbestätigung. Lass dir aber Erfolge nicht zu Kopf steigen.

Egal wie gut du bist, ein guter Rat schadet nie. Jeder sieht eine Route anders und ein Kollege könnte genau das richtige Detail für diese eine schwierige Schlüsselstelle parat haben – oder sogar mental fünf Schritte voraus sein, obwohl Kraft und Technik auf ähnlichem Niveau sind.

Der Austausch von Tipps und Feedback ist Teil von dem, was den Kern der in letzten Jahren stark gewachsenen Klettergemeinde ausmacht. Fremde zusammenzubringen, damit jemand seine Route schafft, die ihm nach dem Durchstieg einen wunderbaren Rausch verschafft, macht diese Community einzigartig. Der besondere Zusammenhalt und die Uneigennützigkeit unter Kletterern sucht seinesgleichen.

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