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Snowboard

Der Weg zum Traumjob | Travel- & Snowboard-Fotograf Vernon Deck im Fokus

Im Interview weiht uns der Volcom-Fotograf aus Neuseeland in die Kunst eines autodidaktisch gelernten Handwerks ein

Man könnte mit Recht behaupten, dass Vernon Deck ein ziemlich aufregendes Leben führt. Als offizieller Fotograf für das Volcom Snow Team hat er die letzten zehn Winter damit verbracht, um den Erdball zu reisen und Leute wie Pat Moore, Gigi Rüf oder Iouri „iPod“ Podlatchikov abzulichten. Von Japan bis nach Jackson Hole – der Mann war überall. Er produzierte weltweit bekannte Filme (wie zum Beispiel „Chamäloen“ aus dem Jahre 2013) und seine Fotos sind bereits in so ziemlich jedem Snowboardmagazin der Welt gedruckt worden.

Im Sommer verbringt er seine Zeit damit, in klimatisch etwas angenehmeren Gefilden zu arbeiten. Letztes Jahr kaufte er sich ein elf Meter langes Boot, Nautilus 2, und verbrachte vier Monate damit, die Ostküste Australiens entlang zu segeln, um Lagunen oder verlassene Inseln zu erforschen. Jep, in vielerlei Hinsicht ist Vernon ein vom Glück gesegneter Mann. Nur, dass es nicht wirklich viel mit Glück zu tun hat.

„Seine Fotos sind bereits in so ziemlich jedem Snowboardmagazin der Welt gedruckt worden.“

Deck führt nicht nur ein erfülltes Leben, sondern auch ein ziemlich vielbeschäftigtes. „Wenn ich zu lange ruhig sitze, dann langweile ich mich schnell“, erklärt er, als wir ihn in seiner Winterunterkunft, dem Volcom-Teamhaus im österreichischen Arlberg treffen. Da er unseren ersten Termin verstreichen ließ (er war zu beschäftigt damit, in Laax Bilder zu schießen) entschuldigt er sich und redet mit uns über seine angehenden Projekte – eine YouTube Serie, die den Namen „Learning by Doing“ trägt und einerseits ein Reisebericht, gleichzeitig aber auch ein Foto-Tutorial ist. Und wie der Name bereits vermuten lässt, geht es hauptsächlich darum, Menschen dazu zu ermutigen, Dinge einfach auszuprobieren.

Es begann, wie er erläutert, folgendermaßen: „Ich habe versucht, eine kostenlose GoPro zu bekommen. Ich hatte einen Kontakt bei Extreme Video, die für den Vertrieb von GoPro in Europa zuständig sind und ich dachte, ich würde ihm einfach ein paar Clips schicken.“ Als er sich mit ihnen persönlich traf, schlugen sie ihm vor, vielleicht etwas größer zu denken.

Selfie von Vernon auf seiner Nautilus II.

„Die Salesmanagerin meinte: ‘Du solltest dir mal überlegen, ob du einen Videoblog machen möchtest. Das scheint alles echt interessant zu sein, dein Leben und so.’“ Vernon ist als äußerst sarkastischer Kiwi nicht dafür bekannt, große Reden über sich selbst zu schwingen und war sich deshalb nicht ganz sicher. „Ich dachte mir, vielleicht haben die einfach keinen Background-Check gemacht und wussten deshalb nicht, dass ich eigentlich nur Fotos mache. Also blieb ich freundlich und antwortete etwas wie ‘Ok, cool’ und ging einfach. Doch die ganze Idee blieb irgendwie hängen. Ich dachte mir: ‘Wenn die denken, dass ich das kann, warum soll ich das dann nicht auch tatsächlich umsetzen können?’“

Die Unterhaltung pflanzte einen Samen, der später einmal zu einer ausgewachsenen Serie mit 16 Episoden wachsen würde. Ein klassisches Video zeigt Vernon in einer exotischen Location, wie er sich mit ein paar Pro Snowboardern trifft und über die Landschaft und die Technik fachsimpelt.

Es klingt wie eine einfache Formel, aber die spezielle Kombination aus Topathleten und interessanten Spots macht es für den Zuschauer erst wirklich interessant (die Salesmanagerin lag definitiv richtig, dass Decks Leben spannend genug für eine breitere Masse sei) und dadurch entstand etwas viel interessanteres als ein klassisches YouTube-Tutorial. Ein gibt wohl kaum bessere Konzepte, einen Guide für das Kunsthandwerk der Actionsport-Fotografie aus dem Boden zu stampfen. Und da zusätzlich wichtige Snowboardmagazine und Fotografie-Webseiten die Webserie im Netz regelmäßig mit ihren Zuschauern teilten, bekam sie eine immer größer werdende Fangemeinde.

Dieses unglaubliche Foto von Bjorn Leines in Whistler bescherte Deck das Cover vom Snowboarder Magazine.

„Als ich es das erste Mal veröffentlichte, dachte ich mir, dass das bestimmt niemand sehen würde“, sagt Vernon schmunzelnd, „aber es gibt viele Leute, die jedes einzelne Video kommentieren und es gibt sogar fünf oder sechs Kids, die mir sehr detaillierte Fragen stellen.“ Obwohl er noch nicht von Teenagern belagert wird, scheinen die Videos definitiv die Wirkung nicht zu verfehlen.

„Ich war in Kitzsteinhorn mit [Volcom Profi] Markus Kleveland, wo ein Kind im Hotel zu mir kam und meinte ‘Ah, ich find’ deine Videos cool’. Das war schon lustig.“ Die Serie brachte sogar mehrere Jobangebote, wie zum Beispiel vom Kamerahersteller Canon. In ein paar Wochen wird er nach Norwegen fliegen, um zwei Workshops zu geben und als Judge bei einem Fotowettbewerb teilzunehmen.

All das überraschte Vernon. Er hielt sich selbst immer für eher unterdurchschnittlich vor der Kamera („Ich wollte eigentlich überhaupt nicht vor der Kamera stehen“, erinnert er sich, „und ich mache immer noch einige Dinge falsch“). Er gibt zu, vorher nichts über das Filmen oder Schneiden eines Clips gewusst zu haben. „Es ist ähnlich, aber einfach anders als das Schießen von Fotos“, erklärt er.

Die meisten Leute würden allein wegen des mangelnden Wissens schon resignieren. Aber für Deck gilt an diesem Punkt genau das Gegenteil. Die Chance, etwas komplett Neues zu machen, hat das Ganze so interessant gestaltet. „Wenn ich ruhig sitze, dann wird mir sehr schnell langweilig und ich werde faul. Immer wieder muss ich mich aus meiner Komfortzone zwingen. Und wie immer macht dich genau das zufrieden, wenn du mehr gibst als normal und Schritt für Schritt auf dein Ziel hinarbeitest.“

Genau genommen ist das der Grund, warum die Serie Learning by Doing heißt. Es ist zweideutig, es weist sowohl auf den Lernprozess von Deck hin, während er die Serie produziert, als auch auf den Tutorial-Aspekt des Ganzen. Aber es soll mehr als nur das sein – „Learning by Doing“ beschreibt im Grunde sehr gut Vernons gesamten Leben. „Ich habe schon immer Fragen stellt und hatte immer Probleme damit, die richtigen Antworten zu bekommen. Also gehe ich durchs Leben und versuche sie selbst zu finden. So war es mit den Fotos, mit dem Reisen und eigentlich mit allem.“

„Wir hatten keinen Fernseher, keine Musik, jeden Tag Kirche und man konnte nicht außerhalb der Gruppe heiraten. Mit acht Jahren kannte ich die zwei Mädchen, die ich am Ende hätte heiraten können.“

Diese Ansicht geht zu einem großen Teil auf Vernons Erziehung zurück, die – milde ausgedrückt – unkonventionell war. „Ich wuchs in einer kleinen Stadt in Neuseeland auf“, sagt er, „aber ich war Teil einer religiösen Gruppe mit dem Namen Exclusive Brethren. Man muss hineingeboren werden und meine Familie war Teil von ihr, somit hatte ich keine wirkliche Wahl. So bin ich groß geworden.“

Die Regeln waren lächerlich streng. „Es gab keine Fernseher, generell keine Medien von außerhalb und keine Musik – außer die, die wir selbst machten. Wir gingen jeden Tag in die Kirche und drei Mal an Sonntagen. Man durfte nicht außerhalb der Gruppe heiraten. In Neuseeland waren also gerade einmal zwei Mädchen in meinem Alter, mit denen ich nicht verwandt war, und somit wusste ich bereits mit acht Jahren, welche Mädchen ich schlussendlich würde heiraten können.“

Bryan Iguchi und Pat Moore, zwei der weltbesten Rider, mit simultanen Slashes vor Vernons Linse.

Mit 13 Jahren änderte sich alles. „Mein älterer Bruder wurde rausgeworfen, er hatte eine Freundin in der Schule und sie wurde schwanger.“ Und somit standen Decks Eltern vor einer harten Entscheidung: „Nie mehr mit ihm reden, ihn ganz aus der Gemeinschaft ausschließen oder die Familie von der Gemeinschaft trennen. Doch das würde bedeuten, dass sie nie wieder mit ihren Eltern und Freunden Kontakt hätten.“

Seine Eltern entschieden sich für das Letztere und Vernon wurde plötzlich in das 20. Jahrhundert katapultiert. „Ich musste aufholen, weil ich noch nie Michael Jackson gehört oder TV geschaut hatte. Wir waren bis dahin noch nie in einem Restaurant oder im Kino gewesen. Als wir erstmals in einem Restaurant waren, hat meine Mutter nach dem Essen den Tisch sauber gemacht und das Geschirr in die Küche getragen. Wir wussten damals nicht was Kellner waren. Als Kind habe ich mich aber recht schnell angepasst. Das damals war definitiv bereits Learning by Doing.“

Diese frühe Erfahrung hat ihm den Wert der Selbstschulung gelehrt und Vernon lebte so, bis er 20 Jahre alt wurde. „Ich hörte mit der Schule umgehend an dem Tag auf, an dem es möglich war und reiste durch Australien. Ich besorgte mir ein One-Way Ticket, der Rest hat sich eben dann so ergeben.“

Er hat sich sogar alles rund ums Fotografieren selbst beigebracht. „Ich bekam eine Kamera von einem schwedischen Mädchen, das ich damals oft sah, und begann einfach Bilder zu schießen.“ Das deutet nur wieder auf seinen unglaublichen Enthusiasmus hin, neue Sachen und Techniken anzugehen – wie im Bild unten deutlich wird.

Für diesen einzigartigen Winkel baute Vernon Kamera mit Fischauge und Fernauslöser auf - Markus Keller scheint so den Handplant direkt auf der Linse zu machen. Das Bild erschien als Cover der Magazine Snowboarder und Pleasure.

Im vergangenen Sommer nahm er sich jedoch seines wohl gewagtesten Lernversuchs an. „Ich war noch nie gesegelt oder gar auf einem Segelboot“, erzählt er. „Aber ich dachte mir: ‘Scheiße, ich reise nun schon seit 15 Jahren um die ganze Welt, aber die Landmasse ist nur der kleinere Teil unserer Welt. Es gibt noch so viel, was ich noch nicht gesehen habe.“

„Der Gedanke, ein mobiles Zuhause zu haben, hat mich enorm gereizt. Nachdem ich mich also im Netz schlau gemacht und Rat vom Vater von Snowboarder Curtis Ciszek, der selbst Segler ist, eingeholt hatte, fing ich an zu sparen. Alles Ersparte steckte ich in dieses Boot.“

Die Nautilus II, Vernons Boot

Auf den offenen Pazifik ohne jegliche Erfahrung zu segeln, wäre wohl genug, um die meisten Leute zur schnellen Umkehr zu bewegen, aber nicht Vernon. „Ich hatte bereits auf ein paar Inseln am Great Barrier Reef gearbeitet und wusste daher, dass es dort relativ sicher ist. Da gibt es auch genügend Lagunen und Flüsse, die man aufsuchen kann, wenn das Wetter verrückt spielt.

Er ging es langsam an. „AIs Anfänger hat mich noch meine Freundin für drei oder vier Monate begleitet und sie hatte auch noch nie auf einem Boot übernachtet – also waren wir beide komplette Anfänger. Ich dachte mir, wir würden einfach sehr konservativ beginnen und uns nach ihrem Tempo richten. Das hat auch letztlich ziemlich gut funktioniert.“

„Ich rammte nachts ein Korallenriff. Das war ziemlich furchteinflößend, weil du nichts sehen und nur dieses Kratzen hören konntest. Ich wachte auf und dachte mir: ‘Scheiße, sinken wir jetzt?’“

Es gab jedoch auch beängstigende Momente. „Ich rammte nachts ein Korallenriff. Das war ziemlich furchteinflößend, weil du nichts sehen und nur dieses Kratzen hören konntest. Ich wachte auf und dachte mir: ‘Scheiße, sinken wir jetzt?’“

„Dann kamen wir einmal in einen Sturm und wurden hin- und hergeworfen. Die ganze Küche explodierte förmlich, aber man konnte nicht nach unten, da man sonst nur Teil des Spektakels geworden wäre. Das war schon echt einschüchternd.“

Einer von Vernons Lieblingsshots zeigt Snowboarder Markus Keller auf einem Schneemobil auf der Ladefläche eines Trucks

Falls das nach der ultimativen Lernerfahrung klingt, dann liegt es daran, dass es das wahrscheinlich auch war. „Am Anfang wirkte es echt furchteinflößend, aber als wir ein bisschen mehr Erfahrung gesammelt hatten, war es auf einmal gar nicht mehr beängstigend.“ Genau genommen war es das erste Mal, dass Vernon den Begriff „Learning by Doing“ benutzte, als er mit seiner Freundin Ylva einen Blogeintrag über dieses Ereignis schrieb. „Ich fand diese Bezeichnung richtig passend“, erklärt er, „also übernahm ich es für das neue Videoprojekt.“

Deck sieht es folgendermaßen: „Segeln oder Videoschnitt ähneln sich im Prinzip – wie alles andere auch. Sobald du damit anfängst, lernst du langsam dazu. Wenn du von außen auf etwas blickst, dann kommt es einem immer als Überforderung vor, aber sobald du mal richtig drin bist, arbeitest du dich so sehr in die Materie hinein, dass es schlussendlich normal wird.“

Vernon bekommt mit der GoPro einen ungewöhnlichen Winkel auf dem Mast des Bootes. Wenn schon Selfie, dann vielleicht so?

Es ist diese Do-it-yourself-Einstellung und das spezifische technische Wissen, das Vernon seiner Zuschauerschaft weitergeben möchte. „Auf meinem YouTube-Channel fragen mich die Leute rudimentäre Fragen oder auch extrem spezifische. Ich sage dann immer: ‘Leg los und mach es einfach, es spielt keine Rolle.’“

„Das Konzept ‘Learning by Doing’ bestimmt im Grunde mein Leben“, erwähnt er an einer Stelle, „es ist, was ich mache und was ich immer gemacht habe.“ Und es hat wunderbar für ihn funktioniert. Es ist unmöglich, nicht von seinen Erfolgen als Fotograf, Segler, Reisender oder YouTuber begeistert zu sein. Es ist ebenso schwierig, sich dadurch nicht motiviert zu fühlen, seinen „faulen Arsch hochzubekommen“, wie er es bezeichnet, „und rauszugehen und einfach Sachen machen. Was hast du zu verlieren?“

Arthur Longo mit einem stylishen Air to Fakie in Österreich

Folge Vernons YouTube Channel, um keines seiner Videos zu verpassen! Du findest den Blog von seiner Freundin Ylva und ihm hier und kannst seine Arbeit auf der Webseite bestaunen.

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