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Motocross

Die geheimen SX Setup Tricks | MOTOX

Foto: Simon Cudby
Von Dominique Essig

Wir verraten euch, wie die Top Teams ihr MX Bikes in Supercross Raketen verwandeln.

Die Supercross-Bikes sehen zwar genauso aus wie die Maschinen, die draußen beim Motocross gefahren werden, doch die drei Schlüsselmerkmale – Motor, Fahrwerk und Chassis – erhalten alle Feintuning, um perfekt für den Supercross-Einsatz abgestimmt zu werden. Die engen, kurzen Strecken mit ihren vielen Sprüngen erfordern eine gute Beschleunigung aus den engen Kurven heraus und das Waschbrett, das Königs-Hindernis im SX, verlangt ein sorgfältig abgestimmtes Fahrwerk.

Da die Rennen so kurz sind, ist der Start noch wichtiger als bei Outdoor-Rennen. Dass die Rennen oft bei kälteren Temperaturen und in geschlossenen Stadien stattfinden, die sich mit den Abgasen füllen, was die Benzin-einspritzung und Verbrennung durcheinander bringen kann, macht die Abstimmung der Bikes nicht unbedingt einfacher.

Wir haben für euch bei den Top-Teams in Amerika hinter die Kulissen geguckt, welches Feintuning sie an ihren Bikes vornehmen und wie die Privat-Teams versuchen, mit einem schmalen Geldbeutel ebenfalls ein Stück vom Ruhmeskuchen zu ergattern. Wir verraten euch die Tipps und Tricks der Top-Teams, wie sie ihre MX-Bikes in Supercross-Raketen verwandeln.

SX Setup – Motor Tuning

Foto: Mitterbauer H.

Beim Supercross geht es vor allem darum, direkte Leistung vom unteren bis zum mittleren Drehzahlbereich zu erzeugen. Im Gegensatz zu draußen, wo man einen Motor auch gut überdrehen können muss, ist die Leistung obenrum in den Stadien nicht so ausschlaggebend, zumindest nicht seit es keine 125er mehr gibt. Die großen Teams ändern die Zündkurven, Auspuffanlagen und Ventile, um eine direkte Gasannahme im unteren Drehzahlbereich zu erzeugen. Heutzutage gibt es auf dem Zubehörmarkt austauschbare Ansaugstutzen, mit denen man die Motorcharakteristik verändern kann. Gerade das Air4orce System von Moto Tassinari sieht man an vielen SX-Bikes, die hinter einem SX-Startgatter stehen. Neben Tuning-Zylindern werden Zylinderköpfe mit geändertem Ein- und Auslasstrakt benutzt und überarbeitete Kolben, die mehr Verdichtung bringen. All das führt zu mehr Leistung und bringt den Vorteil mit sich, dass die Bikes sogar etwas leichter anspringen… zumindest solange man einen festen Stiefel beim Antreten anhat! Manche Fahrer fahren mit nicht eingeölten Luftfiltern, um einen Tick mehr Leistung rauszuholen. Die meisten setzen jedoch auf voreingeölte Filter, die dann noch eine Woche an der Luft liegen, damit der überschüssige Alkohol verdunstet.

Privatfahrer Lösung: ein anderes Mapping für die Zündung und eine Auspuffanlage, die für mehr Leistung im unteren und mittleren Drehzahlbereich ausgelegt ist. Ambitionierte 250 F-Fahrer benötigen dazu mehr Kompression.

SX Setup – Fahrwerk

Foto: Simon Cudby

Dass das Fahrwerk entscheidend beim Motocross ist, ist kein großes Geheimnis. Beim Supercross ist es genauso wichtig, die Abstimmung ist jedoch komplett anders. Die Werksfahrer fahren härtere Federn und bekommen von den Heerscharen an Fahrwerks-Technikern, die ihnen jeden Wunsch erfüllen möchten, ein anderes, progressiveres Shim-Setting verbaut. Dadurch bleibt das Fahrwerk über kleine Wellen immer noch geschmeidig, schlägt bei den großen Schlägen der Sprünge und des Waschbretts nicht durch. Das ist der Grund, warum die 60.000-Dollar-Gabeln, die die Werksfahrer einsetzen, jeden Cent wert sind. Die Serienfahrwerke haben zu große Fertigungstoleranzen, mit denen das Öl bei den großen Stößen, die durch die Fahrweise eines Pro-Fahrers verursacht werden, nur so durch die Öffnungen im Gabelinneren schießt.

Im Waschbrett kann es mit normalen Gabeln passieren, dass sie zu schnell ans Ende ihres Federwegs kommen und dann bei zu langsamem Rebound vor der nächsten Welle nicht schnell genug ausfedern. Das ist natürlich alles andere als gut. Die Stoßdämpfer sind oft vom Rebound her langsam eingestellt. Dadurch kann es zwar passieren, dass der Stoßdämpfer im Waschbrett immer weiter einfedert, aber dabei hat der Fahrer sein Gewicht über dem Heck des Bikes und hängt am Gas, wodurch es nicht so tragisch ist. Das harte und langsame Set-up ermöglicht es den Fahrern, die Sprünge härter zu nehmen. Der neue Fahrstil, bei dem die Fahrer durch einen Scrub am Absprung versuchen, die Flugkurve so niedrig wie möglich zu halten, sorgt nämlich für unheimlich viel Druck auf das Fahrwerk beim Absprung.

Privatfahrer Lösung: härtere Gabel- und Stoßdämpfer-Federn, progressiveres Shim-Setting und ein langsamer Rebound beim Stoßdämpfer.

SX Setup – Geometrie

Foto: Mitterbauer H.

Oft wird ein SX-Rennen gewonnen, indem der Fahrer in einer engen Kurve innen hineinsticht. Demzufolge braucht man ein Bike, mit dem man schnell die Richtung ändern und enge Spuren fahren kann. Dafür wird man etwas Stabilität bei hohem Tempo aufgeben müssen, was beim Motocross ein Problem wäre, beim Supercross aber nicht so schlimm ist. Die Top-Teams benutzen Gabelbrücken mit geringerem Versatz. Das rückt das Vorderrad näher zum Motor, wodurch sich der Maschinenschwerpunkt im Verhältnis weiter nach vorne verlagert und sich das Einlenken verbessert. Viele Teams setzen auch andere Umlenkhebel ein, damit das Heck etwas höher kommt und der Stoßdämpfer etwas progressiver arbeitet. Da die Zubehörmarken zu den Werksteilen aufschließen, sieht es für Privatfahrer nicht so schlecht aus, natürlich nur für die, die gefüllte Geldbeutel haben.

Die Xtrig-Gabelbrücken, die inzwischen für jedermann erhältlich sind, besitzen ein Schaftrohr, das man einfach mit zwei Schrauben lösen und dann um 180 Grad drehen kann, wodurch man einen anderen Versatz und Vorlauf erhält. Dadurch wird das Bike wendiger. Das Ganze dauert keine 20 Minuten und kann direkt vor Ort an der Strecke geändert werden.

Des Weiteren gibt es eine große Auswahl an Umlenkhebeln im Zubehörmarkt, die das Heck absenken, damit die Fahrer leichter ihr Gewicht nach hinten bringen können. Darüber hinaus sorgen sie für mehr Progressivität beim Stoßdämpfer, um leichter über die kleinen Wellen anzusprechen und mehr Durchschlagsresistenz bei den großen Sprüngen zu erzielen – und all das für ein paar hundert Euro. Fahrer, die eine Umlenkung einsetzen, die das Heck absenkt, schieben in der Regel auch die Gabel etwas durch die Gabelbrücke nach oben durch, damit das Bike in der Balance bleibt.

Privatfahrer Lösung: die Gabel durch die Gabelbrücke schieben, so weit es geht. Die Kette um ein Glied kürzen, um die Hinterradachse so weit nach vorne wie möglich zu schieben. Dadurch wird der Radstand kürzer und das Bike wendiger. Oder in einen Satz verstellbare Gabelbrücken und eine Umlenkung investieren.

SX Setup – Benzin

Foto: Simon Cudby

In der Vergangenheit haben die perfekte Benzinzufuhr und Vergaserabstimmung den Mechanikern die größten Kopfschmerzen verursacht. Die Bikes müssen direkt ansprechen, damit die Fahrer aus den engen Kurven über die großen Dreifach Sprünge kommen. Und auch im oberen Drehzahlbereich müssen die Bikes sauber laufen, da das Waschbrett unter Volllast gefahren wird. Die Einführung der Benzineinspritzung hat den Großteil der Probleme erledigt, zumindest solange man keine Yamaha YZ250F fährt, die immer noch mit einem Vergaser ausgestattet ist. Die meisten Teams testen draußen und mitten am Tag bei Temperaturen um die 20 °C. Die Rennen finden aber nachts und indoor statt, was die meisten Probleme verursacht. Gerade die Stadien der West-Coast-Rennen haben oft kein Dach, wodurch die Lufttemperaturen abends deutlich niedriger sind. Aus diesem Grund haben einige der Top-Teams ihre Teststrecken mit Flutlicht ausgestattet, um die

Einstellungen für die Benzineinspritzung nachts unter Rennbedingungen testen zu können. Die Ostküsten-Stadien haben meistens ein Dach, unter dem sich die Luft mit den Abgasen und dem CO2 der 50.000 und mehr Burger futternden Fans füllt. Es ist unmöglich, diese Bedingungen zu simulieren, doch die unzähligen Sensoren an den modernen Bikes regeln das Problem der schlechten Luftqualität von allein.

Die Werksteams fahren speziell angefertigte Steuergeräte, in der alle nötigen Einstellungen sitzen, die die Fahrer benötigen. Privatfahrer können programmierbare Steuergeräte im Zubehör erwerben, die besser passende Leistungskurven einprogrammiert haben. Einige davon kommen mit zehn voreingestellten Zündkurven, von denen der Fahrer diejenige wählen kann, die am besten zu den jeweiligen Streckenbedingungen passt. Die alten Vergaser-Zeiten, in denen die perfekt abgestimmten Werks-Bikes einen großen Vorteil gegenüber den Serien-Bikes hatten, die immer wieder durch Aussetzer auffielen, dürften vorbei sein.

Privatfahrer Lösung: Ein Bike mit programmierbarem Steuergerät benutzen oder die Bedüsung für den unteren Drehzahlbereich abmagern, wenn man Bike mit Vergaser fährt.

SX Setup – Reifen

Foto: Dunlop

Mit den richtigen Reifen kann man seine Rundenzeiten um mehrere Sekunden verbessern. Blöderweise ist die Auswahl limitiert, wenn man nicht gerade Werksfahrer ist. Die Spitzenteams erhalten von den Reifenherstellern besondere Gummimischungen und andere Profile. Die meisten SX-Rennen finden auf hartem Boden statt, daher werden in der Regel Intermediate- oder Hartboden-Reifen benutzt. Selbst wenn Sandpassagen in die Strecke gebaut werden, so sind diese zu kurz, als dass reifenseitig ein spezielles Augenmerk darauf gelegt werden müsste.

Werksreifen lassen sich gut von Standardreifen unterscheiden. Die Stollen sind nicht so hoch wie bei einem im Handel erhältlichen Reifen, wodurch sie sich beim Beschleunigen oder in harten Kurven weniger verbiegen. Auch die Reifenflanken sind nicht ganz so hoch. Die Werksreifen von Dunlop haben ein sehr niedriges Profil von der Felge bis zu den Stollen, ebenfalls um ein Walken der Reifen zu reduzieren. Und die Namen der Reifenhersteller sind auf die Reifen gedruckt statt eingegossen, was einzig und allein werbetechnische Gründe hat.

Sobald es schlammig wird, greifen die Teams auf Standard-MX-Profile mit höheren Stollen zurück, setzen diese jedoch in ihrer eigenen Gummimischung ein, die nur ein Rennen lang hält.

Privatfahrer Lösung: Neue Reifen so oft man kann! Hartbodenreifen sind am besten.

SX Setup – Holeshot Tricks

Foto: Simon Cudby

Da der Start beim Supercross lebensnotwendig ist, benutzen die meisten Fahrer Starthilfen, um Wheelies beim Losfahren zu vermeiden. Bei den Rennen an der Ostküste, wo der Boden oft loser ist, benutzen jedoch nicht mehr alle Fahrer diese Hilfen. Seit die modernen Bikes Benzin-einspritzung haben, rollen einige Bikes mit speziellen Mappings für den Start ans Gatter. Das ist für Werks-Bikes nicht unbedingt etwas Neues, dafür aber für Serien-Bikes. Die Zündkurve ist etwas sanfter, damit man als Fahrer auf Vollgas bleiben und das Bike dennoch kontrollieren  kann. Kawasaki bringt diese Technik als einziger Hersteller an den Serien-Bikes in die Verkaufsräume. Ein richtiger Werksfahrer möchte allerdings die volle Leistung zur Verfügung haben.

Privatfahrer Lösung: Eine Starthilfe, ohne ist man verloren.

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