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Outdoor

Highlands | Entdeckung neuer MTB-Abenteuer in Schottland

Dan Milner und Crew kämpfen sich mit Kajaks und Bikes durch die Wildnis rund um Loch Morar

Text und Fotos von Dan Milner 

Mein Sportlehrer aus der fünften Klasse meinte, wann immer es hart wird, solle man “den Kopf einziehen und sich gefälligst durchbeißen”. Das waren seine Worte – ausgesprochen in Shorts, die ihm definitiv zu eng waren. Gerade beiße ich mich durch, aber wenn sein Rat in Bezug auf Effektivität zutreffen sollte, dann beiße ich offensichtlich immer noch nicht fest genug.

Mr Weight hatte damals vom obligatorischen Geländelauf gesprochen – querfeldein im Regen. Damals kam mir das alles ziemlich übertrieben vor und hatte keine Ahnung, wie hilfreich sein Überlebenstipp später noch einmal werden sollte. Ohne ihn würden mein Kajak, das angebundene Ausrüstungsboot, mein darauf geschnalltes Bike und ich schneller als geplant wieder genau dort landen, wo wir begonnen hatten.

„Nur drei Freunde, Kajaks, Bikes und eine Handvoll Nächte unter den Sternen.“

Ich paddle über Loch Morar zurück zur Westküste Schottlands. Starker Wind treibt den Regen direkt in mein Gesicht und treibt ihn bis hoch in meine Nasenlöcher, während ich versuche, meine Position zu halten. Vorwärtsbewegung wird hier zu einem kühnen Traum.

Aber es war nicht immer so. Zwei Tage lang paddelten wir unter klarem Himmel, lagen in der Sonne, tranken Bier später am Lagerfeuer und trauten uns sogar ins eiskalte Wasser. Doch am dritten Tag erwachten wir mit Regen. Starkem Regen, der sich sogar seinen Weg durch unsere Biwacksäcke bahnte.

Die Idee zu unserem Kajak-Bike-Abenteuer kam mir bei einem Gespräch mit Nick Bayliss, dem Mann hinter Royal Racing Mountain Bike Clothing. Wir wollten ursprünglich nur ein paar Tage mit unseren Rädern unterwegs sein, einfach abgelegene Trails fahren – weit entfernt von jeglichen Menschenmassen. Und wir wollten etwas anderes, als am Abend zu einer Herberge zurückzukehren.

Credit: Dan Milner

Wir wollten biken, aber auch einen Hauch von Abenteuer erhaschen. Und auf keinen Fall die Art von Erlebnis, die dir deine Kreditkarte leicht bescheren kann – wir wollten nichts gemanagt, gepflegt, sterilisiert oder sicher haben. Vor wenigen Jahrzehnten, als man noch nichts von 4G und Co. wusste, schien es so, als müsse man als Mountainbiker nur über die Stadtgrenze seines Heimatorts fahren, um kleine Abenteuer erleben zu können. Jede Fahrt zum regionalen Berg hatte zumindest einen Hauch davon an sich haften.

“Wir wollten nichts gemanagt, gepflegt, sterilisiert oder sicher haben…”

Aber mittlerweile lassen wir uns gerne von GPS und manch anderen elektronischen Gerätschaften leiten. Ist das die Zukunft von Adventure-Mountainbiking? Diese Gedanken und das Reflektieren über die mögliche Zukunft von Trips sind für mich teilweise furchteinflößender als echte Abenteuer an sich.

Als Nick und ich uns gedanklich durch mögliche Optionen wühlten, stach eine Sache heraus, die offenbar alle Wünsche erfüllte würde: ein Kajak- und Mountainbike-Trip in Schottland. Für klassische Erlebnisse muss man heutzutage anscheinend wieder zu den Basics zurückkehren. Drei Freunde, Kajaks, Bikes und eine Handvoll Nächte unter den Sternen. Es klang perfekt und der Plan stand. Tadj Hendry, ein Kumpel aus der Region, schloss sich uns an und schon war klar: Das Vorhaben wird garantiert kein Zuckerschlecken.

Credit: Dan Milner

Und so fanden wir uns wieder beim Demontieren von Mountainbikes und Packen von allerlei Ausrüstung in unsere Kajaks. Als wir das Netz nach möglichen Kajak-Anbietern durchsucht hatten, waren wir auf das Dorf Morar gestoßen, etwa eine Stunde von Fort William entfernt. Dort mieteten wir Kajaks von dem örtlichen Kajaktour-Unternehmen, um eine bekannte Strecke auf der Nordseite des Sees ansteuern zu können. Es gibt dort sogar Robben! Unser Trip stand und schien perfekt zu sein – dachten wir zumindest.

“Das Vorhaben wird garantiert kein Zuckerschlecken”

Es sollte Mike von Sea Kayak Highlands – dem örtlichen Kajakunternehmen – sein, der unserer Idee einen ersten Dämpfer verpasste: „Falls der Wind stärker bläst, werdet ihr kaum vorankommen“, sagt er fast schon so, als würde er sich entschuldigen und schien die Erwähnung sofort wieder zu bereuen. Ich schenkte ihm ein versicherndes Lächeln der Zustimmung. Ein Seekajak gegen starken Wind anzupaddeln, ist eine Sache, doch dabei noch ein Zusatzboot mit dem Equipment hinter sich herzuziehen, eine völlig andere. „Wir werden es trotzdem versuchen, darum geht es ja schließlich bei Abenteuern“, erwiderte ich.

Wir starteten westlich vom See in der Nähe von Morar und es dauerte etwa fünf Stunden, bis wir in Schlagdistanz zu Swordland an unserem Schlafplatz etwa 14 Kilometer östlich ankamen. Trotz des guten Wetters freuten wir uns bei der Ankunft über die damit verbundene Pause.

Zugegeben, wir hätten den Spot auch mit unseren Rädern erreichen können. Nur hätte das nicht zu unserer gewünschten Erlebnisatmosphäre beigetragen. Deshalb bevorzugten wir den etwas umständlichen Weg in Kajaks mit Ausrüstung, MTBs und Proviant für zwei Nächte.

„Mit jedem Bier wurden unsere Pläne zielstrebiger.“

Wir entluden das Boot und verteilten Proviant und Ausrüstung über die Wiese, den wir als Schlafplatz auserkoren hatten. Anschließend suchten wir trockene Zweige für das Feuer und Tadj zeigte uns auf seiner Karte der Region die geplante Route für die nächsten Tage.

Mit jedem Bier wurden unsere Pläne zielstrebiger: „Schau dir diese Route an“, meinte Nick und zeigte auf eine rot gepunktete Linie auf der Karte, die am östlichen Ende des Sees entlang führte. Die Route war weit entfernt, mindestens ein paar Stunden mehr paddeln, aber sie sah verlockend gut aus und endet nach einer zehn Kilometer langen Schleife am südlichen Strand vom See.

Ausgestattet mit Kajaks erschienen immer mehr Trails ansprechend, die man sonst schwer oder gar nicht erreichen kann. „Hätten wir nur eine Woche mehr hier“, jammerten wir, nichtsahnend, dass wir in Bierlaune die Herausforderung leicht unterschätzten

Am nächsten Morgen verließen wir unseren Bivispot und machten uns auf zum ersten Trail. Wir kamen nach kurzer Fahrt nach Tarbet, einer kleinen Niederlassung bestehend aus zwei Häusern, direkt am Strand etwas nördlich von unserem Lager. Von hier kann man mit Fähren noch viel mehr Routen erschließen.

Credit: Dan Milner

Der Trail präsentierte sich in perfektem Zustand und lockte mit bestem Terrain. Das Ambiente des Trails mit Abschnitten direkt am See entlang fordert einen geradezu auf, noch etwas schneller zu fahren und wir konnten nicht widerstehen. Dem Weg folgend, erreichten wir Morar am westlichen Ende des Trails. Von dort kehrten wir um und fuhren zurück. Am Bivispot hatten wir 28 Kilometer und etwa 750 Höhenmeter zurückgelegt .

Wir packten unser Zeug und demontierten wieder einmal unsere Bikes, um sie in unseren Ausrüstungsbooten zu verstauen. Nach dem Abschied von unserem ersten Schlafplatz begann ein 90-minütiges Paddeln an den südlichen Strand, wo wir das zweite Lager aufschlugen.

Niemand von uns war jemals zuvor dort gewesen und was sich bei unserer Ankunft entpuppte, war wohl nichts Geringeres als der schönste Wildcampingplatz, den wir alle je gesehen hatten. Wir zogen unsere Kajaks auf das Festland und nutzten das eiskalte Wasser, um unser Bier zu kühlen, während wir uns die Ausrüstung zurechtlegten.

Eine halbe Stunde später loderte wieder unser Feuer, Essen brutzelte auf dem Kocher und jeder hatte ein kühles Bier in der Hand. Wir saßen ein paar Stunden am Lagerfeuer und erzählten uns außergewöhnliche Ereignisse des heutigen Tages, während die Sonne langsam unterging. Wir realisierten, dass solch ein Leben doch wieder einmal einfach zu haben und Belohnungen schnell gefunden sind, wenn man weiß, wo man suchen muss.

 

Unser Plan für den folgenden Tag beinhaltete eine Tour auf den kleinen Loch Beoraid und wieder zurück, bevor wir elf Kilometer zurück nach Morar paddeln würden. Dort würde Mike auf uns warten, um die Kajaks entgegen zu nehmen.

Essen, Gelächter und ohne die fehlende Enge eines Kajaks machten wir es uns bequem und vergaßen die wechselhafte Laune der Natur während eines Abenteuers. Am nächsten Morgen wurden wir etwas unsanft vom Regen geweckt.

Credit: Dan Milner

Wir kauerten uns unter die Plane von Tadj und tranken Tee, während Regentropfen sich ihren Weg durch die Seiten bahnten. Der Wind wurde immer stärker und wir entschlossen uns dazu, unsere Heimreise mit den Kajaks vorzuziehen.

Als wir uns fertig machten, war ich mir nicht mehr sicher, ob wir diesen Trip überhaupt bis zum Ende schaffen würden. Doch dann kam mir ein Bild meines alten Sportlehrers in seinen viel zu engen Shorts und dessen unvergesslicher Spruch in den Sinn – Mr Weight. Also bissen wir die Zähne zusammen und legten los.

Egal, wie sehr wir unsere Leben nach der neuesten Technologie richten wollen, mit all den Apps und dem inneren Drang nach vielen „Likes“, lässt sich rein gar nichts vorherbestimmen. Verlasse die Zivilisation, tritt ein in die Wildnis und all deine imaginäre Sicherheit dank der Technik verflüchtigt sich. Auf dem halben Weg in der Mitte eines schottischen Sees, gedemütigt von Regen und peitschenden Windböen, kam mir so langsam die Einsicht; anscheinend haben sich Abenteuer wohl wirklich nicht so groß verändert.

Credit: Dan Milner

Obwohl ich gerade im kalten Nirgendwo vollkommen durchnässt das eisige Wasser meinen Nacken herunterlaufen spürte und meine Hände vollkommen taub waren vor Schmerzen, genoss ich das Ganze elementar.

Abenteuer haben sich nicht verändert; sie warten immer noch da draußen und werden immer da sein – wenn du weißt, wo du nach ihnen suchen musst.

Credit: Dan Milner

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