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Interview | Weltmeister Loic Bruni spricht über neue Bikes, Frustration im Weltcup und großen Erfolgsdruck

“Machmal fühlt es sich an, als wenn das Schicksal nicht will, dass ich einen Weltcup gewinne..."

Loic Bruni hatte nie zuvor bei einem Senior World Cup Event gewonnen, als er im September 2015 in den Kurs der Downhill-Weltmeisterschaften in Vallnord droppte.  Aber es war für niemanden eine Überraschung, dass der Franzose am Ende des Tages in Andorra die Regenbogenfarben trug. 

Bis zu seinem großen Wurf glich es fast einem Seuchenjahr für Loic, indem ihm für einen längere Zeit, als ihm lieb war, der Stempel des ewigen Zweitplatzierten aufgedrückt wurde.

Der 21-Jährige war mit einem Sieg beim iXS Crankworx Rotorua Downhill in Neuseeland in die Saison gestartet und es kündigte sich an, dass er den Erfolg in einen Weltcupsieg im Laufe des Jahres ummünzen würde.

Loic schaffte es auf den zweiten Rang bei vier der sieben Events: in Lourdes, Lenzerheide, Mont-Sainte-Anne und Val di Sole, ohne jedoch ganz oben auf dem Podium zu landen.

Fotos: Graeme Murray/Red Bull Content Pool

Entschädigung dafür sollte er letztlich beim größten Rennen der Saison gefunden haben, aber es bleibt für ihn ein bitterer Beigeschmack und unterschwellige Frustration, jeweils hauchdünn am Tagessieg im Weltcup vorbeigeschrammt zu sein.

“Machmal fühlt es sich echt an, als wenn das Schicksal nicht will, dass ich einen Weltcup gewinne”, erklärt er lachend. Allerdings scheint es eben jenes Schicksal insgesamt eigentlich ganz gut mit ihm zu meinen. Wir bitten Loic nämlich zum Gespräch, nur kurz nachdem er erfolgreich seine Krone bei der 2016er Edition vom Crankworx Rotorua Downhill verteidigt hat.

“Leute muntern dich auf mit Sprüchen wie ‘vielleicht beim nächsten Mal’, aber man will den Triumph so sehr und hat so hart dafür gearbeitet, damit es endlich passiert, da will man solche Sachen einfach nicht hören.”

“Offensichtlich sind meine Konkurrenten aber ebenfalls ziemlich gut drauf, was es nicht unbedingt leichter macht. So ist Racing eben; manchmal läuft es halt beschissen für dich, an anderen Tagen aber genauso bei den Kontrahenten im Feld. Es ist echt nicht einfach, einen Weltcupsieg rauszuholen, aber ich werde definitiv einen gewinnen. Irgendwann kommt der Tag!”

“Die Saison ist ganz gut gelaufen”, fährt er fort, “und es lief ja eigentlich auch gut vor den World Champs. Ich fühlte mich auch nicht übermäßig frustriert, sondern war glücklich, auf dem Treppchen zu stehen und vom Speed auf Augenhöhe mit den Top-Jungs zu sein.”

“Auf dem Weg nach Andorra war ich schon zufrieden. Aber vor Ort konnte ich es dann kaum fassen und war einfach nur gestoked. Einmal im Jahr und dann ausgerechnet bei der WM… mit dem Titel in der Tasche nach Hause zu fahren mit dem Gefühl, dass sich viele Leute aufrichtig mit mir gefreut haben, war einfach großartig.”

Natürlich bedeutet der Titel, mit einer Extra-Portion Druck umgehen zu müssen und der Hype um seinen Wechsel von Lapierre Gravity Republic zum Bike-Riesen Specialized wird die Erwartungen eher noch zusätzlich angefeuert haben.

Der französische Rider bestätigt uns, dass die Regenbogenfarben auf seinem Trikot und das Bike zwischen seinen Beinen eine gewisse Traglast mit sich bringen, wenn er vom 9.-10. April in Lourdes zum Auftakt des World Cups antreten wird, aber er betont im gleichen Atemzug, dass er die Herausforderung auch genießt.

“Der Druck hat keinen negativen Einfluss”, sagt er. “Letztes Jahr habe ich ja auch Druck verspürt, weil ich mir selbst schon ausreichend auflade, aber jetzt addiert sich natürlich mein persönlicher Anspruch mit dem Druck von Trikot und Bike.”

“Sie [Specialized] erwarten vielleicht nicht, dass ich direkt gewinne, aber meine Leistungen sollten schon einer gewissen Erwartungshaltung meiner Sponsoren entsprechen. Die einzige wohl etwas größere Drucksituation wird in Lourdes auf mich warten, wenn ich erstmals in meinem Leben mit dem Rainbow Jersey antrete.”

“Jetzt addiert sich natürlich mein persönlicher Anspruch mit dem Druck des Rainbow Jerseys und dem neuen Bike.”

“Es ist eher aufregend, als dass es mir jetzt unbedingt Angst einflößen würde, also hoffentlich werde ich die Erwartungen der Leute erfüllen können! Bei uns sieht es momentan gut aus. Ich kann nicht garantieren, dass wir schon genug Speed haben, um Weltcuprennen nach Hause zu fahren, aber es wird ausreichen, um gute Platzierungen zu erreichen, also wird es in Lourdes hoffentlich dementsprechend aussehen.

“Auch ohne das Trikot bedeutet das erste Rennen in Frankreich immer eine spezielle Herausforderung, weil man beim Heimspiel die Fans auf seiner Seite hat. Es wird hart, aber wir sind bereit – Loris ist derzeit wirklich schnell unterwegs, Finn genauso. Alle halten zusammen und wir sind eine coole Truppe.”

Es ist schwer vorhersehbar, wie das erste Downhill-Rennen ausgehen wird; ob die alte Garde das Podium für sich beansprucht oder einer von den Neuen den Durchbruch auf ein neues Level schafft.

Mit Bruni, Aaron Gwin, Gee Atherton und einigen mehr im Feld, die mit neuen Rigs für neue Teams antreten, ist die Unberechenbarkeit ein nicht zu unterschätzender Faktor in diesem Jahr.

Loic Bruni hat seit langer Zeit den Beweis abgeliefert, dass er mit den Besten mithält, und in Vallnord sogar, dass er zudem das Siegergen in sich trägt.

Uns würde es jedenfalls nicht überraschen, wenn die Crown zu Hause am 10. April den Weltmeister auf dem Podium feiert.

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