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Outdoor

Mythos El Capitan | Freeclimbing im Yosemite Valley

Die Geschichte von Amerikas bekanntestem Felsen

Von Lindsay Walsh

Der legendäre El Capitan lockt Freeclimber aus der ganzen Welt ins Yosemite Valley. Jahrzehntelang zog diese massive Felswand in Nordamerika nicht nur Kletterer, sondern auch Bergsteiger und Basejumper magisch an und etablierte sich somit sowohl geographisch als auch kulturell als amerikanische Ikone.

Der El Capitan wurde auf Stickern, Münzen und sogar als Name für Apples neuestes Betriebssystem verewigt. Man kann ihn sogar auf Google Earth besuchen. Also, was macht ihn so besonders?

Der Felsen

El Capitan | Foto: iStock/Getty Images

Die Wand ragt als Wahrzeichen im Yosemite Nationalpark in Kalifornien bis zu 1000 Meter in die Höhe. Um ein Gefühl für die Größe zu bekommen, kann man sich das höchste Gebäude der Welt – den Burj Khalifa – vorstellen… und noch einmal 100 Meter draufpacken.

El Capitan bedeutet aus dem spanischen übersetzt „Der Chef“ oder „Kapitän“. Es heißt, dass der Name von einem Militär-Bataillon aus dem Jahre 1850 stammt, das den heutigen Nationalpark erkundete.

Der El Cap besteht aus einer Südwest- und einer Südostflanke, die durch einen Steinkamm getrennt sind, den man „The Nose“ nennt. Mehr als 100 Routen kreuzen sich über diese Granitklippe, eine davon ist die „Dawn Wall“ an der Südostseite. Sie wird als eine der schwierigsten Kletterrouten der Welt gehandelt.

El Capitan im Yosemite Valley | Foto: iStock/Getty Images

Die Entstehung der Legende

Ein elementarer Grund seiner Beliebtheit ist die Tatsache, dass der Cap ein einziger großer Batholith aus Granitstein ist, also ein gigantischer Stein, wie der Gibraltar oder der Uluru in Australien.

Granit ist der Stein, aus dem die meisten der Klettergebiete in Nordamerika bestehen. Es wird unterirdisch während vulkanischer Aktivität geformt, wenn Magma unter der Oberfläche der Erde abkühlt. Wenn dann dieses Gestein durch geologische Bewegung an die Luft kommt, wird es extrem hart und bedarf einer sehr langen Zeit, um vom Wind und Regen in Form gebracht zu werden. Der El Capitan wird auf 100 Millionen Jahre geschätzt mit überwiegend fast strukturloser Oberfläche.

Granit ist ein extrem hartes Gestein mit fast strukturloser Oberfläche | Foto: wikipedia.org

Man findet Granit oft ohne nennenswerte Strukturen wie Kerben oder Löchern, wodurch das Klettern nicht unbedingt erleichtert wird, da mehr Balance, Präzision und Stärke abverlangt werden. Der Stein ist sogar so hart, dass die meisten Routen am Cap ohne spezielle Ausrüstung nicht zu empfehlen sind, da Griffe und Trittflächen schlichtweg zu klein sind.

Fremdstoffe im Stein nutzen sich jedoch weitaus schneller ab und bieten Risse und Löcher für die Kletterei. Ein weiterer Vorteil der Härte ist die Verlässlichkeit für die Ausrüstung, die du in den Stein rammst. Du kannst dich also voll und ganz auf den Stein verlassen, er wird seinen Job machen.

Die ersten Aufstiege

Der El Capitan wurde erstmals im Jahre 1958 von Warren Harding, Wayne Merry und George Whitmore in mehreren Anläufen bezwungen. Bis heute ist ihr Weg durch die Vertikale eine der populärsten Routen für Felskletterer in den USA. Das Trio hämmerte Haken ins Granit und befestigte Fixseile am Fels, damit sie immer wieder zurück kommen konnten – über einen Zeitraum von 18 Monaten, bis der Aufstieg vollbracht war.

Ihre Hanfseile saugten sich mit Wasser voll, waren dann immer schwieriger in der Handhabung und rissen sogar immer mal wieder, wenn sie zu lange der Kälte ausgesetzt waren. Doch all das konnte das Trio nicht von dem ehrgeizigen Vorhaben abhalten. Am Ende dauerte es 47 Klettertage und eine Menge harter körperlicher Arbeit, die Spitze des El Capitan das erste Mal zu erreichen und somit eine neue Herausforderung für weltweit unzählige Kletterer zu eröffnen.

Bei der Erstbesteigung des El Capitan wurden solche Metallhaken in in den Felsen getrieben | Foto: Wikipedia.org

In den 1960er und 1970er Jahren entwickelte sich der El Capitan zu einem Hauptreiseziel für Kletterer aus aller Welt. Es sollte nicht lange dauern, bis sich diese in Sachen Tempo und Stil überboten. 1961 schafften Royal Robbins, Joe Fitschen, Chuck Pratt und Tom Frost den ersten durchgehenden Aufstieg in einer Woche, und 1968 kehrte Robbins zurück, um die Route das erste Mal alleine zu bewältigen – in 10 Tagen. Die Klettergemeinschaft erschloss Routen für beide Flanken und im Jahre 1970 wurde erstmals die Dawn Wall erklommen.

Da sich die Klettertechnik wie auch die Ausrüstung stetig weiterentwickelte, verkürzte sich die benötigte Zeit für die Besteigung des Caps kontinuierlich. Die „Ein-Tag-Barriere“ wurde bereits 1975 durchbrochen und in den 1990er Jahren bis hin zu den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende gab es einen anhaltenden Wettbewerb zwischen Hans Florine und dem tödlich verunglückten Dean Potter um den Aufstieg in unter drei Stunden. Während die meisten Kletterer sich drei bis fünf Tage Zeit nehmen, steht der derzeitige Rekord bei 2 Stunden und 23 Minuten – aufgestellt von Florine und Alex Honnold im Jahr 2012.

The Nose ist die weltweit bekannteste Route für Speedclimber | Foto: iStock/Getty Images

Der El Cap hdt nicht nur im Bereich Geschwindigkeit Maßstäbe gesetzt, sondern auch in Sachen Schwierigkeitsgrade mit seinen mikroskopisch kleinen und scharfen Rissen entlang der glatten Felswand.

Die härteste all dieser Routen ist die Dawn Wall, die sich über 900 Meter Höhe mit 32 Abschnitten erstreckt und teilweise die glattesten, steilsten und anspruchsvollsten Sektionen der Wand aufweist. Deren Ratings auf der Schwierigkeitsskala liegen bei 9+/10− (5.13) und darüber bis zur Spitze der US-Kletterskala (5.15b).

The Dawn Wall bietet die glattesten, steilsten und anspruchsvollsten Sektionen der Wand | Foto: flickr.com

Seit die Dawn Wall 1970 bezwungen wurde, galt es bis zur heutigen Zeit als unmöglich, sie ohne spezielle Ausrüstung zu erklimmen, aber das änderte sich 2015. Mit mehreren Jahren Vorbereitung wagten die Kletterlegenden Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson, die Felswand frei zu klettern. Ohne Hilfen und nur mit Seil, Ausdauer, Technik und Willenskraft erreichten sie die Spitze.

Trotz aufgerissener Hände und zahlreicher Abstürze ins Seil kämpften die beiden sich in 19 Tagen nach oben – im anspruchsvollen Rotpunktstil. Schlafpausen legten sie in Biwaks direkt am Berg ein und erreichten die Spitze am 14. Januar. Sie haben damit neue Maßstäbe für die Kletterwelt gesetzt.

Tommy Cadwell und Kevin Jorgeson brauchten 19 Tage für Dawn Wall | Foto: flickr.com

El Cap heute

Noch heute stellt der majestätische Kapitän den ultimativen Test für Spitzenkletterer aus aller Welt dar. Seine Zugänglichkeit und der Status als Ikone machen ihn zur perfekten Bühne für absolute Höchstleistungen der Klettergemeinde. Grenzen wurden hier immer wieder durchbrochen und der Welt gezeigt, dass Unmögliches doch erreichbar ist.

All das macht die Wand einzigartig, doch der wohl einfachste Grund ist wohl, dass dieser gigantische Monolith eindrucksvoll die Übermacht der Natur gegenüber den Herausforderern demonstriert.

Yosemite Valley | Foto: iStock/Getty Images

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