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Skiing in Kanada | Auf der Suche nach Powder Lines in British Columbia

Um den besten Schnee zu finden, musst du vom Skiresort ins Wohnmobil wechseln

Von Alf Alderson 

Wir sind unterwegs vom beschaulichen Red Mountain in British Columbia zum sogar noch kleineren Whitewater – möglich macht es unser “Bungalow auf Rädern”, wie er von meinem Freund James genannt wird. Ein motorisiertes Heim auf Rädern mit einer Länge von acht Metern. Da es die letzte über Nacht durchgehend geschneit hat, schalten wir das Radio ein, um zu erfahren, ob die Straßen frei sind.

„Zu den Verkehrsmeldungen“, schallt es aus den Lautsprechern (natürlich im klassisch-kanadischen Slang), „achten Sie auf wilde Tiere und herabfallende Steine.“ Und das war es. Für eine Fläche die fast viermal so groß wie das Vereinigte Königreich ist, könnte man das wohl als relativ minimalistische Ansage bezeichnen…

Wir genießen in vollen Zügen einen ultimativen Roadtrip für powdersüchtige Skifahrer. Erst der Flug nach Vancouver, um unser Wohnmobil von CanaDream abzuholen, gefolgt von zwei Wochen, in denen wir zwischen Sun Peaks, Red Mountain, Whitewater, Revelstoke und Kicking Horse pendeln. Am Ende – also knapp 2000 Kilometer später – heißt es: Endstation Calgary.

“Zu den Verkehrsmeldungen: Achten Sie auf wilde Tiere und herabfallende Steine.”

Die Idee dieser Reise stammt von meinem Kumpel Jim Greene aus Red Mountain. „Die meisten von Skigebiete in BC bieten großzügige Stellplätze für Wohnmobile, und die Straßen sind in Ordnung, wenn man geeignete Reifen und Schneeketten dabei hat. Du solltest es unbedingt mal in Betracht ziehen“, hatte er mir vor drei Jahren vorgeschwärmt.

Der Gedanke brauchte zwar ein bisschen Zeit, um seine Wirkung zu entfalten, aber schlussendlich kann man einfach nichts gegen überragende Argumente einwenden. Deine eigene komfortable Unterkunft auf fahrbarem Untersatz, die es dir erlaubt, jedes Resort schnell erreichen zu können und natürlich die Möglichkeit, stets zu wechseln, wenn etwa das Wetter umschlagen sollte.

Gemeinsam mit meinem Kumpel und Partner in Crime, James Cove, checkte ich Mitte Februar in unserem mobilen Traum ein, der in Sachen Komfort viele meiner bisherigen Hotelerfahrungen locker in die Tasche steckte.

Credit: Alf Alderson

Den ersten Halt legten wir in Sun Peaks ein. Nachdem alles Nötige im örtlichen Walmart besorgt worden war, verließen wir Vancouver im strömenden Regen, der sich langsam zu Schnee verwandelte, während wir den Highway 5 Richtung Norden fuhren. Perfekt.

James meinte dazu: „Selbst wenn es wirklich schlimm kommen sollte, könnte man jederzeit zur Seite fahren und es aussitzen. Wir haben ausreichend Bierreserven.“

Nachts erreichten wir ohne Zwischenfälle Sun Peaks.

Am nächsten Morgen ging es kurz nach dem Frühstück direkt los. Wir verließen unsere bereits ins Herz geschlossene Herberge und nahmen „Gil’s“ in Angriff, ein Gebiet mit vielen Steilhängen und Bowls auf über zwei Quadratkilometern Fläche.

Es gab nur einen Haken. Wir konnten nicht viel davon sehen, da das gesamte Terrain von einer Nebeldecke eingehüllt wurde, die aus dem Plan der Entdeckung neuer Routen an diesem Tag ein Ding der Unmöglichkeit machte. Doch schon am nächsten Morgen forderte die Sonne ihren Tribut und löste kurzerhand das Problem.

Unser Vorhaben, Red Mountain einen Besuch abzustatten, legten wir temporär auf Eis, da wir gerade Besseres im Sinn hatten, als jetzt die 600 Kilometer auf der Straße abzureißen. Doch als James und ich als Early Birds im Sunburst Express Sessellift in Richtung Gipfel waren, meldete ein alter Bekannter zurück – die Nebelwolken feierten ihr Comeback.

Trotz des unerwarteten Gastes konnte man zumindest die etwas tiefer liegenden Routen problemlos angehen. Und so kam es, dass wir stundenlang ohne viel Konkurrenz fahren konnten.

“Wir erlebten den Winter in seiner intensivsten Phase, als wir beim Vorbeifahren Angler auf dem Monte Lake beim Eisfischen beobachteten. Im kommenden Sommer werden dieselben Leute am gleichen Ort wakeboarden.”

In der Mittagszeit machten wir uns auf den Weg nach Okanagan Valley. Das Sommerklima Okanagans ist ideal für beliebte Früchte, der sogenannten “Fruit Bowl” von Kanada, doch wir erlebten gerade den Winter in seiner intensivsten Phase, als wir beim Vorbeifahren Angler auf dem Monte Lake beim Eisfischen beobachteten. Im kommenden Sommer werden dieselben Leute am gleichen Ort wakeboarden.

Doch am Nachmittag wurde es zwischenzeitlich ziemlich ungemütlich. Als wir den Highway 3 nach Norden fuhren, entdeckten wir einen Land Rover, der auf die Seite gekippt am Straßenrand lag – mit einem geschockten jungen Paar daneben. „Die Hinterachse des Wagens ist in einer Kurve ausgebrochen und hat dafür gesorgt, dass wir umgekippt sind“, berichtete uns der Fahrer, nachdem wir ihm Hilfe angeboten hatten.

Glücklicherweise wurden weder er noch seine Freundin verletzt und Hilfe war bereits unterwegs, aber als ich später am Steuer saß (Wir schoben abwechselnd 3-Stunden-Schichten) und sich ein Schneesturm zusammenbraute, deuteten wir den Vorfall als Warnsignal, es immer schön ruhig angehen zu lassen.

Whitewater. Credit: Doug LePage

Am nächsten Tag war Valentinstag und der Powder Gott bescherte uns über Nacht perfekte Bedingungen in Red Mountain. Da wir unser Basecamp quasi direkt neben der Piste parkten, waren wir die ersten am Berg, die unberührte Lines einweihen durften.

“Da wir unser Basecamp quasi direkt neben der Piste parkten, waren wir die ersten, die unberührte Lines einweihen durften…”

Die berühmten Tree Runs in Red Mountain stellten sich als easy heraus. Nicht, weil wir jetzt unbedingt die Weltklasse-Freerider sind, sondern vielmehr, weil wir meinem Kumpel Roly Worsfold folgten, der die Gegend wie seine Westentasche kennt.

Roly führte uns in atemberaubend gutes Terrain, das die Betreiber von Red über die Jahre immer weiter ausgedehnt hatten. Und obwohl es nur fünf Lifte gibt, eröffnen sich Besuchern vielseitige Möglichkeiten. Wir waren auch noch an einem Wochenende vor Ort, das von den Einheimischen – mitunter leicht übertrieben – als „das vollste aller Zeiten“ gebrandmarkt wurde. Und dennoch, wenn man sich von den Hauptrouten entfernte, löste sich die Meute umgehend in Luft auf.

Whitewater. Credit: Doug LePage

In der folgenden Nacht bewies unser Wohnmobil wieder einmal seine Nützlichkeit. Am Vorabend hatten wir in der Nähe von Rolys Haus geparkt, da wir mit ein paar Bier bei ihm den Tag am Berg würdig abschließen wollten – im Morgengrauen lag Whitewater so nur eine Stunde Fahrt entfernt.

Das Gebiet ist vergleichsweise klein mit nur drei Liftanlagen, aber der Ruf im Produzieren herausragender Freeskier eilt Whitewater voraus. James und ich hielten uns an den australischen Guide Danny Foster, der uns zwischen unzähligen Bäumen auf einige Double Black Diamond Routen schickte.

Whitewater. Credit: Doug LePage

Klein, aber richtig großer Charakter. Deshalb ist Whitewater perfekt für den Ort Nelson, eine Bunch von niedergelassenen Skifahrern, Snowboardern, Bikern und Wanderern etwa 22 km vom Kootenay Lake entfernt. Paradiesisch – ich musste abends direkt mal die Preise für Wohnungen vor Ort checken.

Revelstoke. Credit: Royce Sihils

Am fünften Tag ließen wir Nelson mit dem ersten Sonnenstrahl hinter uns, den wir seit unserem Aufbruch überhaupt erleben durften. Das hatte extrem positiv zur Folge, dass unsere Fahrt nach Revelstoke von unschlagbaren Eindrücken von der klassischen Landschaft in BC geprägt war und wir noch heute von den Seen, Wäldern, Bergen und sogar den Ziegenfarmen nur auf dieser Strecke tagträumen.

Der sechste Tag war speziell. Wir sollten mit Hilfe von Selkrik-Tangiers Heliskiing Service in Revelstoke auf den Berg verfrachtet werden.

Aufgewacht, dammit! Wieder trübes Wetter, das Wales alle Ehre gemacht hätte. Doch abgesehen davon konnte unser Reiseführer Steve Lovenuik feine Routen durch ein Waldstück aus dem Hut zaubern. Sicher, es wäre auf den Gletschern im hochalpinen Gebiet wohl noch eine andere Hausnummer gewesen, aber nicht einmal Heliskiing kann immer perfekte Bedingungen garantieren. Und wir genossen schließlich doch noch das Adrenalin mehrerer Helikopterflüge zu kleineren Peaks an diesem Tag.

Revelstoke. Credit: Grant Gunderson

Ironischerweise hatten wir am nächsten Tag sogar etwas bessere Verhältnisse in Revelstoke. Massenhaft dickste Schneeflocken fielen in einem vorher nie gesehenen Tempo als dichter Vorhang, einfach unglaublich. Diesmal hatten wir James’ Sohn Alex, der als Skilehrer in der Gegend arbeitet, und Christi Unterberger, ursprünglich aus Österreich, als es etwas aufklarte an unserer Seite und entdeckten eine magische Route durch ein Waldstück auf der Vorderseite des Berges – 1713m Vertikale, unübertroffen in Nordamerika.

Sonnenschein sollte uns auch hier – wie wir es bereits gewohnt waren – nicht vergönnt sein und somit brachen wir zu unserem letzten Zwischenstopp der Reise auf: Kicking Horse. Wir fuhren im mittelstarken Schneesturm über den Rogers Pass und später auf den Trans-Canada Highway. Die Schneeketten brauchten wir dennoch nie auf dem gesamten Trip.

In 1330 Metern Höhe schlängelt sich der Rogers Pass durch die Selkrik Mountains und bekommt in der Regel pro Winter mit knapp zehn Metern Schnee die volle Ladung ab. Er ist für seine Lawinen berüchtigt und daher häufig gesperrt, aber man kann hier natürlich auch hervorragende Skitouren unternehmen (wenn man erwähnten Lawinen aus dem Weg gehen kann).

Whitewater. Credit: Doug LePage

In Kicking Horse angekommen, trafen wir Local Richard Baker von den Kicking Horse Powder Tours, der uns durch das Gebiet führt und in die legendär steilen Hänge schickt. Der zweite Tag hier war gleichzeitig der letzte volle unserer Reise, an dem wir passenderweise die besten Stunden im Schnee hatten.

Mit strahlender Sonne unter einem wunderbar blauen Himmel verabredeten wir uns mit einem ehemaligen Schweizer Mitglied der Skipatrouille, Max Cretin, der mittlerweile für das Resort arbeitet. Max leitete uns auf die verschiedensten Terrains im Gebiet, wo Abenteuer suchende Freeskier voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Und obwohl der letzte Schneefall einige Tage zurücklag, mangelte es an nichts. Selten bin ich auf einem derart gut erschlossenen Berg gefahren, der lediglich mit zwei Liftanlagen betrieben wird.

Im Gegensatz zu den anderen Skigebieten, in denen wir waren, bietet Kicking Horse auch hervorragende Möglichkeiten jenseits der bewaldeten Zone und erinnert ein wenig mehr an unsere altbekannten Alpen.

An einem Punkt stoppte Max, um uns ein Bärenschutzgebiet zu zeigen – Kicking Horse ist das Zuhause eines Grizzlys namens Boo, der in einem über 80.000 Quadratmeter großen eingezäunten Terrain lebt. Er wurde als verwaistes Jungtier gefunden (der Wilderer, der seine Mutter erschoss, wurde glücklicherweise ausfindig gemacht und zur Rechenschaft gezogen) und lebt seitdem das ganze Jahr über hier. Wir konnten ihn leider nicht sehen, da er gerade seinen Winterschlaf auskostete.

Max deutete dann mit dem Arm auf das umliegende Terrain. „Als ich noch in der Schweiz lebte, konnte ich die Namen jeder der Berge um mein Haus benennen. Hier haben viele noch nicht einmal einen und man kann noch immer die Person sein, die als erstes einen Fuß auf den Gipfel setzt“, erklärt er begeistert.

Für mich kann man den Trip folgendermaßen zusammenfassen: Was die Reise nach British Columbia so reizvoll macht, ist die Chance, beim Skifahren und Reisen magische Landschaften zu erleben, die in Europa ihresgleichen suchen und dabei noch freundliche, enthusiastische (und oftmals verdammt gute) Skifahrer auf jeder Etappe des Trips zu treffen. Noch dazu sind Warteschlangen fast ein Fremdwort und die Region hat meistens hervorragenden Schnee!

Während ich das hier schreibe, sitze ich in einem Hotel in Calgary und warte auf meinen Rückflug. Wir haben unser Wohnmobil vor wenigen Stunden schweren Herzens abgegeben und weißt du was? Ich würde ohne zu zögern, mein komfortables Hotelzimmer gegen die Straße eintauschen…

WOHNMOBIL

Wir reisten mit einem Wohnmobil von CanaDream, das mit 6 Schlafplätzen ausgestattet war, angetrieben von einem 6,8 Liter Ford E450 Super Duty mit einem 200 Liter Benzintank. Wir haben weniger Kilometer geschafft, als wir vorher geplant hatten. Man sollte aber einrechnen, dass Benzin nur die Hälfte kostet im Vergleich zu Europa.

Der Wagen war vollkommen winterfest ausgestattet mit einer ordentlichen Heizung und Stromgenerator, gekoppelt mit einer Solaranlage. Ein Doppelbett (und Alkoven über dem Fahrerhaus) bieten Komfort, wem das zu wenig sein sollte, kann man immer noch im Wohnbereich für eine weitere Schlafmöglichkeit sorgen. Dazu gab es einen Kühlschrank, Spüle, Kochplatten, Toilette, eine warme Dusche und mehr als genügend Verstaumöglichkeiten – perfekt ausgestattet für Selbstversorger.

CanaDream bietet Wohnmobile für $121 pro Nacht plus Steuer an.

Air Canada versorgt Reisende mit Flügen ab etwa 700€.

Destination British Columbia versorgt Interessierte mit weiteren Infos.

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