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BUY LOCAL | Wie der Online-Handel kleine Bikeshops in die Knie zwingt

Wenn du auch künftig noch im Bikeshop um die Ecke schnell Ersatzteile bekommen willst, solltest ihn regelmäßig unterstützen

Der Kaufprozess eines Bikes hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Damals bist du zu deinem lokalen Bikeshop gefahren und hast dir dort eine Empfehlung eingeholt oder dich nach diesem neuen Bike aus einem aktuellen Magazin erkundigt.

Mittlerweile hat sich der Spieß umgedreht. Es gibt so viele unterschiedliche Rahmen auf dem Markt, die im Internet zu niedrigen Preisen angepriesen werden, und dazu werden auch gleich noch die passenden Komponenten als Schnäppchen offeriert.

Das Ergebnis ist ein fortschreitender Wachstum vom Online-Handel und der gravierende Einbruch der lokalen Bikeshops, obwohl das Fahrradfahren – egal ob Rennrad oder Mountainbike – gerade einen absoluten Boom erlebt. Sollte es nicht trotzdem genug Platz für alle Händler geben?

“Wenn du unabhängige Bikeshops willst, sollte das aufhören…”

Die traurige Wahrheit ist aber, dass es trotz der wachsenden Anzahl an Fahrradfahrern in den letzten zehn Jahren eine deutliche Verschiebung im Kaufverhalten der Menschen gab, mit der viele Bikeshops schwer zu kämpfen haben. Wenn die Menschheit irgendwo Geld sparen kann, dann machen sie es offensichtlich auch.

Aber was ist der wahre Preis dafür, wenn online ein paar Euros gespart werden können? Entsteht das Risiko, dass die lokalen Bikeshops zumachen müssen, auf die wir doch noch für die Wartung, für schnelle Reparaturen, ohne die manchmal nichts mehr gehen würde, oder wichtige Ersatzteile angewiesen sind, und ist es nicht vielleicht von Vorteil, ein Fahrrad einer Testfahrt zu unterziehen, bevor es gekauft wird? Die Antwort fällt eindeutig aus, wenn sich nichts ändert: Kleine Läden werden nicht überleben.

„Fahrradläden hatten in den letzten Jahren einen großen Einbruch zu verkraften, hauptsächlich aufgrund des Internets“, sagt uns Chris Fowler. Er ist bereits seit über 26 Jahren im Fahrradhandel tätig und führt seit 2001 den Freewheelin‘ Cycles Shop, einen traditionellen Fahrradladen in Edinburgh.

„Es gibt einige Shops und Großhändler, die Pleite gehen, weil sich das Kaufverhalten der Menschen radikal geändert hat. Das Internet flutet den Markt und verkauft Produkte teilweise unter Wert, um Kunden zu ködern“, erklärt Chris:

„Der Fahrradhandel ist eines der wenigen Segmente, in denen du im Internet fast zum Selbstkostenpreis einkaufen kannst. Dort gibt es einige Händler, die ihre Produkte günstiger verkaufen, als ich sie vom Großhändler bekomme. Die Kunden sind immer noch da, aber sie gehen nicht mehr in den Laden. Nicht nur mein Shop ist betroffen, sondern alle, im ganzen Land.“

„Händler im Internet unterbieten sich gegenseitig – sie stellen Produkte nicht aus, bezahlen keine Verkäufer und verfügen einfach nur über ein großes Warenlager. Einige Firmen wie zum Beispiel Amazon zahlen nicht einmal ihren fairen Anteil an Steuern hierzulande. Wenn ich weniger Steuern zahlen müsste, könnte ich auch einige Produkte günstiger anbieten“, klagt er über einige Wettbewerbsvorteile der Großen im Geschäft.

Echte Biker mögen ohne Zweifel die lokalen Bikeshops, den gemeinschaftliche Vibe, fast jeder kennt sich. Und dass man spontan eine Anlaufstelle hat, wenn die Räder nicht mehr richtig laufen und du mit deinem Latein am Ende bist, wissen zum Glück noch einige Liebhaber zu schätzen. Außerdem macht es einen Unterschied, ob man mit seinem Geld vielleicht die Gitarrenstunden vom Sohn des Ladenbesitzers unterstützt oder dem CEO einer großen Plattform zum nächsten Ferienhaus verhilft.

Achte bei deinem nächsten Besuch im Shop mal genau darauf und du wirst einige Zeichen der Zeit erkennen. Der Kunde in der Ecke tippt die Namen der Produkte direkt bei Google ein, um zu schauen, ob er sie im Internet günstiger findet, der Fahrradfahrer in der Umkleidekabine probiert T-Shirts an, um die richtige Größe im Internet bestellen zu können oder der Typ, der sich nur die neuen Teilen von Amazon anbauen lässt, um drei Euro zu sparen.

Die Eigentümer von kleinen Läden belastet diese Entwicklung schwer.

Chris erzählt weiter: „Jeder will alles so billig wie möglich haben, und manche Leute befürchten, dass wir sie ausnehmen wollen, wenn sie in einen Shop kommen, denn sie können es im Internet günstiger kaufen. Wir verkaufen unsere Ware zum empfohlenen Verkaufspreis und können damit nicht wettbewerbsfähig bleiben, da die Produkte woanders oft verramscht werden.“

„Manchmal kommen Leute in den Laden und fragen, ob sie bestimmte Räder mal ansehen dürfen, du berätst sie und empfiehlst ihnen, welche Größe sie idealerweise benötigen. Dann nehmen sie sich noch eine Broschüre und verlassen den Laden. Diese Menschen siehst du meistens nie wieder, weil sie sich ihr Fahrrad anschließend im Internet bestellen. Sie benutzen uns und unser Wissen, weil sie selbst zu wenig Ahnung für den richtigen Kauf haben. Das fühlt sich nicht fair an und zwingt uns langfristig in die Knie. Ich verstehe natürlich, dass Menschen möglichst wenig Geld ausgeben wollen, aber dann sollten sie unseren gebotenen Mehrwert nicht ausnutzen.“

Das Verhalten der Kunden ändert sich immer, auch in der Zeit der Internet-Dominanz. Ob die Veränderungen in der Zukunft noch einmal zugunsten der lokalen Bikeshops stattfinden, muss abgewartet, darf allerdings bezweifelt werden.

Foto: Bikologi Homepage

 

 

 

 

Vor Kurzem sind wir auf einen ziemlich praktischen Service gestoßen, der dir dein Custom-Mountainbike, von dem du schon immer geträumt hast, zum bestmöglichen Preis anbietet – natürlich alles komplett online.

Bikologi ist nicht das einzige Custom-Bike-Build-Tool im Internet, aber es ist wahrscheinlich eines der besten. Geh auf ihre Seite und klicke auf „Builder“ und du findest eine Vorlage, mit der es einfacher ist, ein Bike zusammenzustellen, als ein Kind mit seinem Lieblingscartoon ruhigzustellen.

Nachdem du deinen Rahmen, die Größe und die Farbe ausgewählt hast, geht es mit den einzelnen Komponenten weiter, die ganz einfach auswählen kannst und diese zum günstigsten Preis bekommst, den die Händler anbieten können.

Bikologi-Gründer Brian Sweat… Foto: Brian Sweat

 

Im Moment steckt Bikologi noch in den Kinderschuhen. Als Besitzer musst dich auf deine Arbeiter verlassen können, dass sie die Fahrräder gewissenhaft und richtig zusammenbauen. Außerdem ist die Auswahl an Rahmen auf der Seite noch stark begrenzt, doch Brian Sweat will schnell expandieren.

„Ich habe mir selbst ein Bike gebaut, ein Santa Cruz Nomad, und wollte es als Ganzes sehen“, erzählte er uns der Mann aus Salt Lake City via Skype: “ Es gab keine guten Tools dafür, also nahm ich es selbst in die Hand und habe eine kleine App kreiert. Ich stamme aus dem IT-Bereich, so ergab sich das automatisch, außerdem verstehe ich es, wie man im Detail ein Bike baut mit Tretlager, oder wie man eine Kette anbringt. Ich habe bereits ein Duzend Fahrräder eigenhändig gebaut, was im IT-Bereich vielleicht nicht ganz alltäglich ist“, erzählt Brian über die Anfänge seiner Firma:

„Die Idee, die dahinter steckt, ist, den Leuten ein Erlebnis beim Kauf zu bieten. Du kannst in einen Laden gehen, 10.000 Dollar ausgeben und hast dann ein cooles Bike – das war’s. Oder sie bauen sich mit ihren eigenen Erfahrungen im Bike-Bereich ihr Wunschbike mit allem was dazugehört auf einfache Art und Weise zusammen.“

Das hört sich nicht gerade Bikeshop-freundlich an, doch Brian plant auch eine Zusammenarbeit mit den lokalen Shops. Das bedeutet, dass die Shops von dem Bikologi-System profitieren können, indem sie für diejenigen, die ein Custom-Bike wollen, aber nicht über das Know-How für den Zusammenbau verfügen, diesen Part übernehmen.

Foto: Brian Sweat

Brian fügt hinzu: „Die modernen Bike-Komponenten funktionieren richtig gut und so kannst du dir ein Traumbike genau nach deinen Vorstellungen zusammenstellen, oder du bringst es in einen Shop und die machen es dir für ein paar hundert Bucks.“

„Wenn du die Zusammenstellung deines Rads abgeschlossen hast, gibt es einen Button, der sagt: „an lokalen Bikeshop senden“. Dort hat man dann die Möglichkeit, einen Bikeshop zu finden, sendet die Komponenten dorthin oder man schickt nur die technischen Daten bzw. die Teile als Liste an den Shop.“

„Auch wenn die Bikeshops nicht damit werben können, dass sie die Bikes zu unserem Preis zusammenstellen, können sie es dennoch relativ günstig verkaufen. Es ist ein Weg, jeden in der Kette involviert zu haben. Es war nie meine Absicht, jemanden zu hintergehen – ich wollte nur den Usern ein Tool geben mit dem sie etwas Cooles anstellen können.“

Foto: Brian Sweat

 

„Ich habe drei oder vier Shops in Salt Lake City, mit denen wir das System ausprobieren. Dann werden wir ein Formular online stellen, in das sich entsprechende Shops zusätzlich eintragen können, um am Programm teilzunehmen. Jedem Bikeshop, dem ich das System bisher gezeigt habe, gefällt es.“

Könnte solche Modelle die Zukunft sein?

“Die Leute sagen, dass der lokale Bikeshop aussterben wird, aber das denke ich nicht. Er wird eher modifiziert…“

Er widerlegt außerdem, dass seine Idee futuristisch sei: „Es ist nur ein virtueller Baukasten. In der Automobilindustrie ist dieses System schon lange etabliert. Es ist nur die Bike-Industrie, in der die Idee neu ist.“

Der Schlüssel der lokalen Bikeshops wird immer ihre Expertise bleiben! Du kannst bei Google suchen, wie du deine Federung perfekt einstellst oder wie du dein Fahrrad besser pflegen kannst, aber es wird selten so gut sein, als wenn es ein Experte für dich macht. Im Bikeshop bekommen Kunden noch mehr – die entscheidenden schnellen Reparaturen, Insider-Wissen zu Trail der Region und Einstellungstipps vom Mechaniker persönlich, der seinen Job vielleicht bereits sogar schon vor der Erfindung der Federgabel ausgeübt hat.

Foto: Brian Sweat

Brian ist sich sicher, dass die Shops in irgendeiner Form bleiben und fügt hinzu: „Die Leute behaupten, dass der lokale Bikeshop aussterben wird, aber das denke ich nicht, sondern er wird modifiziert. Diese Läden haben den Nachteil, dass all die großen Händler die Preise drücken und die kleinen so nur eingeschränkt konkurrenzfähig sind, aber ich mag es selbst, mit jemanden zu reden und zu sagen: „Hey, wie soll ich meine Federung am besten einstellen?“

„Ich werde mir vielleicht nie mehr ein Bike in meinem lokalen Bikeshop kaufen, aber ich gebe dort trotzdem viel Geld aus, um eben Dinge wie meine Federung richtig einstellen zu lassen oder Ersatzteile zu bekommen.“

Foto: Brian Sweat

 

„Bevor der E-Commerce startete, war es normal, in den Laden um die Ecke zu laufen und dort ein passendes Bike zu kaufen. Mit dem Beginn des Online-Handels hat sich das verändert. Der Bikeshop kommt ins Spiel, wenn du sagst, „ich will ein Fahrrad genau für meine Bedürfnisse kaufen, habe allerdings keine Ahnung, das ist mein Budget.“ Sie können mit dir Hand in Hand arbeiten. Es ist also ein persönliches Erlebnis und das wird sich auch niemals ändern.“

Wir hoffen, dass Brians Optimismus in Zukunft auch bestätigt wird, aber die abschließenden Worte aus Sicht von Chris vom Freewheelin‘ deuten auf eine dunklere Zukunft hin.

„Ich denke mehr und mehr Shops werden schlechtere Umsätze erzielen, viele werden schließen müssen. Das heißt, es wird weniger Shops geben, die Reparaturen etc. erledigen und die aufgrund der geringeren Konkurrenz auch überleben werden.“

“Wenn du unabhängige Bikeshops willst, sollte das aufhören…”

Es scheint so, als ob das weit und breit der Fall ist. Es ist genau der gleiche Weg, auf dem Spotify, Amazon und iTunes die Fülle an Musikläden reduziert haben. Die Schließung von lokalen Bikeshops ist unumgänglich, wenn die Industrie weiterhin diesen Weg geht.

Das ist ein perfektes Beispiel, wie Geld für sich spricht. Jeder in der Fahrradszene mag die kleinen Bikeshops, doch jeder will auch bzw. lieber Geld sparen.

Du wirst die Mechaniker, die mal eben kurz was an deinem Fahrrad in Ordnung bringen, vermissen, wenn sie tatsächlich verschwinden. Das wirst du spätestens realisieren, wenn du an einem Samstag radeln gehen willst, aber noch einen neuen Schlauch benötigst, oder dein Rad ein komisches Geräusch macht, der nächste Bikeshop aber am anderen Ende der Stadt ist.

Ist es das wert, zwischendurch ein bisschen mehr auszugeben und dafür im Laden einzukaufen? Wir sagen: JA!

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